• vom 28.08.2012, 14:00 Uhr

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Die Schöpfungsgeschichte Kärntens


Von Peter Krobath



Vom Gipfel des Goldecks aus betrachtet ist die Welt wunderschön. An und für sich ist das ein unschuldiger Satz. Der aber in Zeiten wie diesen genug Material bietet, um die Gemüter zu erregen. Denn das Goldeck liegt in Kärnten. Dort, wo ich herkomme. Dem Bundesland bei uns, das allen anderen die Nerven kostet und die Steuergelder raubt. Schon wahr. Schön ist es hier aber trotzdem.

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Die Almhütte hat für diesen Sommer keinen Pächter gefunden. Zeichen der Rezession? Egal. Am blitzblauen Himmel drehen zwei Kolkraben ihre Runden. Man kann das gutturale Klacken hören, mit dem sie sich verständigen. Klingt wie ein archaisches Morsealphabet, das sich in Zeitlupe über unseren Köpfen dreht. Worüber die wohl reden?

Wahrscheinlich wissen sie nicht, ob sie zum Millstätter See oder doch lieber gleich rüber zum Weissensee fliegen sollen. Ich hatte dieser Tage dasselbe Problem. Habe mich dann für beide Destinationen entschieden. Eine nach der anderen. Quasi wie Inselhüpfen in der Karibik. Mit dem einzigen Unterschied, dass es in der Karibik keine Kasnudeln gibt.

Das Wasser hier ist weicher als irgendwo sonst auf der Welt. Kommst du da raus, fühlst du dich so frisch wie mit Fewa Wolle gewaschen. Natürlich nur, bis du zur Tageszeitung greifst. Da ist die heile Kärntner Bergwelt je nach Par-teienausrichtung auf einmal so voll wechselseitiger Vorwürfe und Unschuldsvermutungen, dass du nicht einmal die feine Hirschsalami runterschlucken magst, vor lauter Angst, die hat womöglich auch was mit dem Haider zu tun gehabt.

Wie kann man ein Land bloß derart runter reiten? Und damit immer noch weiter machen? Viele kluge Köpfe zerbrechen am Problemfall Kärnten. Dabei hätten sie nur mich fragen müssen. Ich kenne die Antwort. Sie hat mit der schönen Landschaft zu tun. Sie wird tief im Wald am Wirtshaustisch erzählt. Leise unter der Hand natürlich. Und sie geht so:

Ols da Herrgott Kärnten erschoffn hot, sogt da Petrus zu ihm: "Du, i was nit, de Berg, de Täla, de Seen und donn a noch so glei bei Italien, des ist olles so schen worn, des passt so perfekt zommen, do muasst noch a bissale umatuan, sunst kunnten die Ondarn leicht beleidigt sein."

"Stimmt schon," ontwortet da Schöpfa in seina unagrindlichen Weisheit. "Des Landle ist echt wunderschen gewurden. Wirklich fost schon zvül vum Guatn. Muasst da oba trotzdem kane Surgen mochen ums Gleichgewicht. Wort nur, wos i do für Leit eine setz..."

Artikel erschienen am 24. August 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 31




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-21 16:11:06
Letzte Änderung am 2012-08-24 14:38:54


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