• vom 21.08.2012, 16:14 Uhr

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Update: 21.08.2012, 16:45 Uhr
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Sedlaczek am Mittwoch

Gelbe Möwe oder Schachtelwirt?


Von Robert Sedlaczek

  • Ein österreichisches Meinungsforschungsinstitut wollte die Funktionsmechanismen der Jugendsprache mit einer Umfrage ergründen.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache.  Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Grün oder Gelb, das ist die Frage, wenn es um Wörterbücher geht. Grün sind die Wörterbücher von Pons, gelb sind jene von Langenscheidt. Früher einmal waren die gelben der unumstrittene Marktführer, inzwischen haben die grünen stark aufgeholt.

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Seit dem Jahr 2001 gibt es auch ein jährlich erscheinendes "Pons-Wörterbuch der Jugendsprache". Über einen in ganz Deutschland ausgeschriebenen Wettbewerb können Schüler im Alter zwischen 14 und 18 Jahren Begriffe der Jugendsprache einschicken und müssen Übersetzungen ins Englische, Amerikanische, Französische und Spanische mitliefern. Die besten Einsendungen werden prämiert - mit Geldpreisen und mit einem Klassensatz von Pons-Wörterbüchern.

Diese Initiative ist in vielerlei Hinsicht vorbildlich. Schüler befassen sich mit der Sprache, das ist gut so, sie betätigen sich als Amateurlexikografen, kreieren Wörter und müssen sich auch Gedanken darüber machen, wie adäquate Ausdrücke in anderen Sprachen lauten.

Für Verwirrung hat allerdings vor kurzem das Meinungsforschungsinstitut GfK gesorgt. Dieses hatte einige Pons-Ausdrücke in einer österreichweiten Online-Studie abgetestet. Die Frage an Erwachsene war: "Welche dieser Wörter haben Sie von Jugendlichen in Ihrer Umgebung schon gehört?" Viele Ausdrücke kamen nicht einmal auf zehn Prozent, zum Beispiel urkeksi (lustig, super, nett, toll), endlaser (cool) und enrage ( wütend werden). Die Goldene Möwe war mit einem Prozent so gut wie unbekannt.

Natürlich kommt nichts Vernünftiges heraus, wenn ein österreichisches Meinungsforschungsinstitut einige willkürlich ausgewählte Wörter abfragt, die deutsche Schulklassen entwickelt und eingesandt haben, um einen Preis zu ergattern. Die Wörter sind nicht ein Abbild der Jugendsprache, sie repräsentieren Wortschöpfungen, die sich erst bei den Jugendlichen durchsetzen müssen. Dass ein guter Teil der abgetesteten Ausdrücke - von Schneeketten (Zahnspangen) mit 21 Prozent einmal abgesehen - in Österreich den Erwachsenen kaum bekannt ist, war abzusehen. Leider verschweigt die GfK, wie viele Jugendliche mit diesen Ausdrücken ebenfalls nichts anfangen konnten. Als ich bei jungen Menschen in meinem Bekanntkreis die Wörter abgetestet habe, war Kopfschütteln die häufigste Reaktion.

Es ist schon richtig: Der Sinn der Jugendsprache besteht darin, dass sich die Jugendlichen von den Erwachsenen sprachlich abgrenzen. Kinder freuen sich diebisch, wenn sie sich miteinander unterhalten und die Eltern verstehen nichts. Viele neue Wörter haben also den Charakter eines Geheimcodes. Um das zu beweisen, bedarf es keiner Meinungsumfrage.

Die Goldene Möwe ist übrigens das Firmenlogo einer Fast-Food-Kette. Der Buchstabe M sieht mit etwas Fantasie wie ein mit gelbem Filzstift schnell hingezeichneter Vogel aus. Bei uns sagen die Kinder eher: "Ich geh jetzt zum Mäci!" Wenn sie älter sind, verwenden sie gern den despektierlichen Ausdruck "Schachtelwirt".




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-21 16:20:13
Letzte Änderung am 2012-08-21 16:45:25


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