• vom 23.08.2012, 17:05 Uhr

Glossen

  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Kunstsinnig

Mach mir den Seewolf!


Von Claudia Aigner

  • Ist die Chaostheorie Tierquälerei, weil sich so viele Marienkäferln ihretwegen umbringen? (Eine Eierspeis muss man sich aber immer noch selber machen.)



Yes we can? Really? Na ja, eh nicht wir alle. Wieder einmal nur die starken Männer. Und womöglich kann bloß ein einziger Steirer. Im richtigen Leben gewinnen halt die Muckis, nicht die Wickies. (Und die Krokodile fressen die Kasperln.) Aber selbst wenn diese wissenschaftliche Sensation jetzt als Hauptmeldung in den Nachrichten käme ("Arnold Schwarzenegger hat als erster Mensch einen Siebener gewürfelt"), könnte ich das nicht einfach so hinnehmen. Ich bin eine ungläubige Tomate. Und wenn irgendwer behauptet, mit seiner speziellen Würfeltechnik könne man sogar nur Siebener würfeln, muss ich eine zweite Meinung einholen. (Meine.) Noch dazu hat der Würfel nachher einen Totalschaden. Denn einen Siebener hält kein normaler Würfel aus. Hm. Klingt wie ein heidnisches Opferritual. In einem perversen Marienkäferkult. (Weck den Marienkäfer in dir!) Jedenfalls kommt immer sieben raus, wenn man die Augen auf den gegenüberliegenden Würfelseiten addiert, und die beliebtesten Marienkäferln haben sieben Punkte. Eine merkwürdige Koinzidenz, oder? Der Siebenpunkt wiederum (wie jeder Marienkäfer) ist bekannt für sein exzessives Liebesleben, dass das Männchen also bis zu 18 Stunden in dasselbe Weibchen verliebt bleibt. Das lässt nur einen Schluss zu: Wenn nun ein Menschenmännchen einen Siebener würfelt (am besten bei Vollmond, was ja die ideale Zeit ist, um es rauszulassen: das Tier in dir), dann . . . wäre es purer Zufall, wenn sein Marienkäferl davon aufwachen tät. Um sich in einen Wer-Marienkäfer zu verwandeln, muss man wohl doch vorher Viagra schlucken. Sonst wird das nix.

Werbung

Wurscht. Für die Operation "Sieben auf einen Streich" benötigt man also einen Würfel (natürlich besitze ich einen Zweitwürfel, falls sich der Zeilinger den ersten kurz "ausborgt" und dann vergisst, ihn mir zurückzubeamen) und einen Schwarzenegger. Oder einen Heinz. Weil als der Heinz einmal die Erdäpfelszene aus dem TV-Vierteiler "Der Seewolf" daheim nachgespielt hat, war er so überzeugend die dominante Lebensform in der Küche, dass er eine halberte Küchenrolle verbraucht hat, um die Schweinerei wieder wegzuputzen. Was der Raimund Harmstorf nämlich mit einer rohen Kartoffel macht, das macht er mit einem rohen Ei. Und ein rohes Ei mit der bloßen Hand zu zerquetschen, das ist völlig unmöglich. Weil das Ei eiförmig ist. (Aha.) Folglich ist der Heinz stärker als die Physik und hätte den Siebener locker hinkriegen müssen. Er hätte lediglich den primitiven Zufallsgenerator so brutal hinschmeißen brauchen, dass der sauber auseinanderbricht. Dann hätten die Hälften bloß noch richtig umkippen müssen. Mit den Punkten schön nach oben. Andernfalls wäre der Würfel ja ein hilfloser, auf dem Rücken liegender - Marienkäfer. Und man hätte einen Nuller gewürfelt.

Leider hat der Heinz versagt. Wenn wenigstens der Tisch zerbrochen wär! Ähm, oder ist er schuld, dass sich im Pool vom Pauli so viele Marienkäferln ertränkt haben? Wegen der Chaostheorie. (Das Fallen eines Würfels in einer Wohnung in Wien kann in Höflein einen Massenselbstmord auslösen.) Wie würde der Kasperl diese aussichtslose Situation retten? Das Beste iiiiist, das Beste iiiiist . . . ich schlag ein Ei auf der Tastatur von meinem Computer auf: hhggggttztzt




Schlagwörter

Kunstsinnig, Glossen, Meinung

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-23 17:11:08


Beliebte Inhalte



Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.
  • Wenn diesen Samstag die Deutschen das Champions-League-Finale und die Wiener den Life Ball feiern, dann ist das im Prinzip das Gleiche.
  • weiter

  • Kann man bei einem Burnout manchmal nur noch den Kammerjäger holen, weil dieses Krabbeln und Kriechen in der Wohnung einfach unhygienisch ist?
  • weiter


Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".
  • Das Champions-League-Endspiel wirft seine Schatten voraus. Deutsche Medien werben mit peinlichen Slogans um Zuseher, Kommentatoren feilen an Pointen.
  • weiter

- - - Golf emanzipiert sich zunehmend von seinem Ruf, ein Hobby für Reiche zu sein. Manche Snobs mögen das als bedenkliche Entwicklung sehen...weiter

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".
  • Hier handelt es sich um zwei Begriffe mit leicht divergierenden Bedeutungen, wobei Shoah immer häufiger verwendet wird.
  • weiter

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.
  • Österreich hat es gut! Wer es nicht glaubt, möge den Vizekanzler fragen oder in die Zeitung schauen.
  • weiter



Werbung




Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers. Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

"Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Werbung