Eigentlich hatten die Bewohner des süditalienischen Landstrichs geglaubt, das Schlimmste überstanden zu haben. Bei einem starken Erdbeben einige Jahre zuvor waren zahlreiche Häuser zerstört worden und man war noch dabei, letzte Schäden zu beheben. Da ereignete sich eine Naturkatastrophe, die zu einer der bekanntesten in der Geschichte werden sollte: Am 24. August des Jahres 79 n. Chr. kam es zum Ausbruch des Vesuvs, den man bis dahin für erloschen gehalten hatte.
Wir sind über diese antike Naturkatastrophe besonders gut informiert, weil einer der bedeutendsten römischen Schriftsteller einen Augenzeugenbericht verfasste. Sein Name ist Plinius. Dieser weilte bei seinem gleichnamigen Onkel, der durch naturhistorische Schriften Berühmtheit erlangte: Plinius der Ältere. Der befehligte damals die römische Flotte, die in Misenum im Golf von Neapel stationiert war.
Am Mittag des 24. August zeigte sich über dem Vesuv eine riesige Wolke aus Asche und Gestein, die die Form einer Pinie hatte. Durch das Naturschauspiel neugierig geworden, befahl der ältere Plinius ein Schiff seeklar zu machen, um näher an das Geschehen heranzufahren. Doch schon bald erreichten ihn Hilferufe von Bekannten, die Häuser unmittelbar am Fuße des Vesuvs besaßen und um ihr Leben fürchteten. Hierauf segelte Plinius mit einigen Schiffen dem Unglück entgegen. Asche, Bimsstein und glühende Steinbrocken regneten auf die Flottille nieder, sodass der Steuermann zur Umkehr riet. Doch Plinius ließ Kurs auf die andere Seite der Bucht von Neapel nehmen, zum Städtchen Stabiae. Dort lebte ein Freund namens Pomponianus, der sein Hab und Gut bereits auf Schiffe verlud, um rechtzeitig die Flucht ergreifen zu können. Doch heftiger Gegenwind machte diese Hoffnung zunichte. So blieb den Männern nichts anderes übrig, als in Stabiae auszuharren und auf ein Umspringen des Windes zu warten. Als es Nacht wurde, begab sich Plinius zur Ruhe, wachte aber sehr bald wieder auf: Das Haus wurde unter Asche und Bimsstein begraben. Alle flüchteten ins Freie, schützten sich mit Kissen vor dem Steinregen.
Das Meer war immer noch sehr unruhig, eine Flucht zu Wasser unmöglich. Daraufhin legte sich Plinius am Ufer nieder, während die anderen vor den Flammen und dem Schwefelgeruch flohen. Als es tagte, fand man seinen Leichnam - er war wohl an den giftigen Dämpfen erstickt.
Wie Plinius erging es Tausenden Bewohnern der umliegenden Orte, von denen Pompeji gewiss der berühmteste ist. Die Stadt wurde gewissermaßen in ihrem Zustand vom 24. August 79 n. Chr. konserviert und blieb so für die Nachwelt erhalten.
Mario Rausch, geboren 1970, studierte Klassische Archäologie und Alte Geschichte und lebt als freier Publizist in Klagenfurt und Wien.
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