
He, ihr Grünen! Ihr schreibt mir. Ungefragt. Ihr sagt Du zu mir und lasst mich wissen, dass Ihr jetzt "loslegt". Toll. Nur, das mit den Anführungszeichen habt ihr noch nicht so im Griff. Weiters verratet Ihr mir, dass ihr jetzt unter dem Motto "Eva lädt ein" sechs Wochen in Österreich unterwegs seid. Wow, sag ich mir, supertrashigesmegahippestotal-freshesmegagiga Motto. Aber wenigstens stimmen hier die Anführungszeichen. Und was Ihr alles vorhabt! Mit einem umweltfreundlichen Bus herumfahren, wandern, grillen und Fahrrad fahren gehen. Vor allem Letzteres dürfte ein hochinteressanter Bewegungsablauf werden. Mit diesem crazy Programm ward ihr schon in Tirol, Vorarlberg, Niederösterreich, Steiermark und im Burgenland. Und in Wien ward Ihr sogar "frydaynight-skatend". Da kommt natürlich zu dem Problem mit den Anführungszeichen jetzt noch ein Denglisch-Grammatik-Total-Crash dazu. Aber das ist nicht so wichtig, weil Ihr ja mich einladen möchtet, vorbeizukommen und mitzureden. Jö!
Zum Schluss grüßen mich lieb und sehen mich vielleicht ja: Niki, Armin und Martin.
Da sag ich nur: Grüne, das ist toll! Als Partei erst knappe dreißig Jahre alt und schon klingt Ihr nach abgestandenstem Politmarketingstil à la Rudas, dem Älteren, nach 100 Jahren Sozialdemoskopie.
He, jetzt nicht eingeschnappt sein! Ihr wolltet doch wissen, was mich bewegt, mich ärgert und welche Ideen ich habe. Also bewegt werde ich durch Bus, Bahn und Beine, sowie den Planeten, der ohne mein Zutun um den Fixstern saust.
Ärgern tut mich etwa, wenn ich unverlangt E-Mails bekomme von Parteien, die ihre Marketing-Abteilung anscheinend aus der Konkursmasse des Liberalen Forums herausgekauft und deren Mitarbeiter alle keine Nachnamen mehr haben. Niki nicht, Armin nicht, Martin nicht - und die Eva auch nicht mehr.
Und ich würde gern wissen, was bedeutet "Eva lädt ein" genau?
Worauf lädt sie mich ein? Ein Achterl? Ein Viertel? Seidl? Krügerl? Schweinsbraten? Kasnudeln? Salat an Putenbruststreifen und ein Latte Machiatto? Drei Gänge Menü im Steirereck? Eine Nacht in einem Fünf-Sterne-Hotel mit Candle-Light-Dinner in Hawai - inklusive Hin- und Rückfahrt in Eurem umweltfreundlichen Bus?
Ihr seht, Grüne, ich hab noch jede Menge Ideen: Ihr könntet mir zum Beispiel alle mal beim Umzug helfen, den Müll runtertragen, Zimmer ausmalen, Sperrmüll wegbringen und Bücherkisten schleppen. Anschließend machen wir auch einen Selbstfindungs-Arbeitskreis zu dem Thema "Was machen angelinkste Bürgerkinder, wenn Ihnen fad ist?". Daraufhin macht Ihr mich zu Eurem Bundesoberkasperl, ich übernehme handstreichartig die Republik, dass sogar die FPÖ neidisch wird und Ihr wisst endlich, wie sich Regierungsbeteiligung anfühlt. Logischerweise verehrt Ihr mich daraufhin auf diese dezente nordkoreanische Art. Und dann, liebe Grüne, erst dann dürft Ihr mich ungefragt duzen. Vorher nicht. Ok?
Und bis dahin ... streicht mich einfach von Eurer Mailingliste.
PS: Also "legt" schon mal "los".
Golf emanzipiert sich zunehmend von seinem Ruf, ein Hobby für Reiche zu sein. Manche Snobs mögen das als bedenkliche Entwicklung sehen...weiter