• vom 04.09.2012, 16:37 Uhr

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Sedlaczek am Mittwoch

Das Kind im Manne


Von Robert Sedlaczek

  • Der Illeismus, wie ihn vor allem Politiker aus dem Kreis der FPÖ und des BZÖ praktizieren, ist eine zweischneidige Kommunikationsstrategie.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".

Der Obmann der Freiheitlichen spricht gerne über sich in der dritten Person, auch im ORF-"Sommergespräch" hat er es getan: "Der H. C. Strache liegt bei Umfragen immer schlechter als am Wahltag." - "Die politischen Mitbewerber haben Angst, dass H. C. Strache stärkste und bestimmende Kraft wird."

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Diese Sprachform nennt man Illeismus, eine Wortbildung aus dem lateinischen Pronomen "ille" ("jener", abgewandelt auch "er") und dem Nominalsuffix "-ismus".

Cäsar hat sich dieser Methode in seinem Werk "De bello Gallico" bedient, um den Anschein von Objektivität zu erwecken.

Illeisten unter Österreichs Politikern sind neben Heinz-Christian Strache vor allem Stefan Petzner und Gerhard Dörfler. Auch Jörg Haider und Karl-Heinz Grasser haben von sich gerne in der dritten Person gesprochen. Der Illeismus breitet sich heute stark aus. Er wird von Kommunikationstrainern propagiert, die sich den Methoden des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) verschrieben haben, eine umstrittene Sammlung von Kommunikationstechniken und Mustern zur Analyse von Wahrnehmungen.

NLP-Trainer raten den Politikern, dass sie derartige Satzbildungen immer dann verwenden sollen, wenn sie angegriffen werden.

Das klingt in etwa so: "Wenn das so wäre, würde ein Gerhard Dörfler heute nicht vor der Kamera sitzen." - "Es wird herauskommen: Der Karl-Heinz Grasser hat von Beginn an die Wahrheit gesagt."

Damit distanziert sich der Angegriffene nicht nur von den Vorwürfen, sondern auch von sich selbst. NLP-Trainer meinen, das ist gut so.

Inzwischen tritt das Phänomen so häufig auf, dass es auch medial reflektiert wird.

Ich habe vor kurzem einen hervorragenden Beitrag in der Ö1-Sendung "Moment - Leben heute" gehört, dem ich Anregungen für diese Kolumne entnehme.

Vermutlich haben jene, die es angeht, die Sendung verpasst.

Das ist schade, sie würden erkennen, dass der Illeismus zweischneidig ist.

Entwicklungspsychologen weisen darauf hin, dass Kinder von sich zunächst in der dritten Person reden. Erst am Ende des zweiten Lebensjahres entwickeln sie ein Verständnis für das eigene Ich.

Auch andere Vergleiche sind nicht schmeichelhaft. Disco Stu in der Zeichentrickserie "Die Simpsons" spricht in der dritten Person, genauso Jeffrey "der Dude" Lebowski im Film "The Big Lebowski", Figuren, die in der Vergangenheit oder in einer Scheinwelt leben. Und natürlich auch Menschen, die unter einem psychischen Defekt leiden, man denke nur an den Franzi aus der ORF-Fernsehserie "Kaisermühlenblues" - der "Fünfer" hält sich für eine Straßenbahn.

Der Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung "Falter", Florian Klenk, hat in der besagten Sendung ein interessantes Argument ins Spiel gebracht: "Warum ist Bruno Kreisky so berühmt geworden? Weil er ,Ich bin der Meinung ...‘ gesagt hat." Viele Menschen sehnen sich heute nach Politikern, die das Personalpronomen "ich" verwenden:

"Ich übernehme Verantwortung." - "Ich werde das Problem lösen."




Schlagwörter

Sprache, Sprachkritik

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Dokument erstellt am 2012-09-04 16:45:13


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