
Jetzt also doch Volksbefragung zum Bundesheer. Ich freu mich schon auf die vielen Diskussionen. Wenn im Wirtshaus die Erinnerungen der Wehrdienst-Nostalgiker auf die Erlebnisse der Zivildienst-Fraktion prallen werden. Denn so ein Thema eignet sich perfekt fürs Wirtshaus. Das hat zuletzt sogar ganz offenbar auch die Politik begriffen.
Ich persönlich zähle mich zu den Wehrdienst-Nostalgikern. Obwohl meine Zeit beim Bundesheer ein langer, fader Witz mit kaum einer Pointe war. Aber je älter man wird, desto mehr vergisst man das Fade und irgendwann bleiben nur noch die Pointen über. Gab zwar kaum welche. Aber die paar, die es gab, die waren gut.
Schon mein Einrücken hatte Stil. War nämlich in der falschen Kaserne, während die mich in der richtigen schon gesucht haben. Maturant, aber zu blöd, um seine Kompanie zu finden? Wenigstens war schon am ersten Tag klar, wer der Trottel ist. Das Schießen hat mich nie sonderlich interessiert. Ich wollte zu den Fahrern, damit ich wenigstens einen LKW-Führerschein aus der Sache rauskrieg, aber geworden bin ich Funker. Jetzt weiß ich, wie man mit einer Kabelrolle durch die Wälder rennt. Eine Funkverbindung bekomm ich auch zustande. Aber nur, falls die noch die Geräte von damals haben. Was ich mir bei der finanziellen Situation der österreichischen Landesverteidigung durchaus vorstellen kann.
Das Beste, was ich in Uniform gelernt habe, war, wie man sich im Winter eine Schneehöhle zum Übernachten baut. Jetzt muss ich mir keine Sorgen machen, falls ich mal überraschend beim Schneespaziergang Stress bekomme. Zumindest solange ich was zum Schaufeln, eine Kerze und was zum Anzünden dabei habe. Weil ohne dem gehts nicht.
Einmal war ich in der Kaserne nachts im Winter zur Wache eingeteilt. Es war eiskalt. Zwar hatte ich einen dicken, flauschigen Fellmantel an, aber nach der dritten Runde um die Kaserne wurde mir das Theater trotzdem zu blöd, einfach weil ich in der Logik meiner fluchenden Zwiegespräche unwiderlegbar begriffen hatte, dass heute Nacht sicher niemand über die Mauer steigt. Also bin ich in die Kantine, um mich aufzuwärmen. Dort saß der Wachkommandant, der eigentlich nicht hier sitzen sollte. Und sah mich. Der dasselbe Problem hatte. Kein Wort ist gefallen. Wir haben uns ignoriert. Es war zu spät, zu kalt und zu öd zum Streiten. Eh schön ist es gewesen beim Bundesheer. Da lernt man was fürs Leben.
Artikel erschienen am 7. September 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 31
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