• vom 10.09.2012, 15:59 Uhr

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Update: 10.09.2012, 16:24 Uhr
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Sprachschätze

Am Ende wird alles zurückgebracht


Von Hilde Weiss

  • Verbindungen nachzugehen, den Wurzeln der Sprache auf der Spur, kann helfen, Wörter leichter zu durchschauen, von Grund auf.

Administration, Metier, Menuett, Minderheit: Schon beim kleinsten Minus bekommt man es mit einer stattlichen Sprachverwandtschaft zu tun. Das kommt vom lateinischen Wort minor für kleiner, geringer, weniger, das nicht nur in der Minorität, im Minimum und im Minimalen steckt, sondern auch im Diminutiv, im Menü, das aus einzelnen kleinen Teilen besteht, und im Menuett, das aus kleinen Schritten besteht.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Dazu kommen alle Ministerien und Minister, "die Untergebenen" (die Diener, ursprünglich bei Hof, später beim Staat), die Ministranten, "die Messdiener", und die Administration, "die Beschaffung" (Besorgung). Dazu kommt noch das Metier, "der Dienst" (die Dienstleistung), und jede Minute, "die Zerkleinerte" (vom lateinischen Begriff pars minuta prima für kleinster Teil erster Ordnung), eng verwandt mit dem Minuziösen. Und zum germanischen Teil der Familie gehören das Mindere und die Minderheit (über die indoeuropäische Wurzel minu- für minder, klein).

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Recht ansehnlich ist auch die Familie, die sich um das lateinische Verb ponere (positum) für setzen, legen, stellen schart. Neben der Komponente, dem Kompott und dem Kompost gehört die Komposition dazu, "die Zusammenstellung", die Deponie, "das Lager", und das Depot, "die Hinterlegung". Hierher gehört auch das Exponierte, "das Herausgestellte", alle Exponate und das Exposé, "die Darlegung".

Gut disponiert, "auseinandergestellt". Imponierend (vom lateinischen Verb imponere für auferlegen, aufbürden, "hineinlegen"). Imposant, was uns zu Pose, Positur und Position führt, zur "Stellung". Und hierher gehören noch - apropos, "zum Vorgelegten" - die Präposition, "die Vorangesetzte", die Apposition, "die Zugesetzte", und die Proponenten, "die Antragsteller".

Alles positiv, "gesetzt" (sicher feststehend), ob Opponenten und Opposition, "die Entgegengestellten", ob Propst, "der Vorgesetzte", Postament, "Fußgestell", Postings, "Postierte", Post, "Posten" (Station zum Ausruhen der Postkutscher und der Pferde), oder Posten, der ursprünglich ein Posten auf einer Rechnung war, dann Standort, Position, Wachposten, Stellung und Anstellung.

Einer anderen Familie gehört das Porto an, "das zu tragen ist (fürs Tragen)". Hier begegnet man dem lateinischen Verb portare für tragen, bringen, überbringen, wie auch beim Transport, beim Export, beim Import und beim Apportieren, "dem Herbeitragen".

Das Kolportieren, vom Verb comportare für zusammentragen, gehört hierher, das Opfer volksetymologischer Deutungslust wurde - mittels des lateinischen Worts collum für Hals, Nacken, im Sinn von hausieren gehen, "auf der Schulter (dem Nacken) tragen", von Tür zu Tür.

Das Portemonnaie gehört dazu, "der Geldträger", die Deportation, vom lateinischen Verb deportare für wegschaffen, davontragen, und der Sport, vom englischen Verb disport für herumtollen, sich zerstreuen, "sich forttragen lassen". Ende des Reports, des Rapports, "des Zurückbringens" (Überbringens).




Schlagwörter

Linguistik, Sprache, Weiss, Hilde Weiss

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-10 16:05:10
Letzte Änderung am 2012-09-10 16:24:37


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