• vom 14.09.2012, 17:24 Uhr

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Politik muss wieder Spaß machen


Von Severin Groebner

  • Stefan Raab möchte eine eigene Politik-Talksendung im Fernsehen machen. Das wird nicht ohne Nachahmer bleiben.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen. Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

September 2022. Das deutschsprachige Fernsehen ist nicht mehr dasselbe. Wo früher "Raus aus den Schulden", "Bauer sucht Frau", "Starmania" und "Familientausch" gesendet wurden, regiert Politainment die Sendeplätze. Mit "Raus aus dem Bundesrat!" stellt RTL jeden Mittwoch drei Abgeordnete der Länderkammer vor, die sich den knallharten Aufgaben ihrer Wähler stellen müssen: Zehn Minuten Seilspringen, 100 Hundebabys in einer Minute küssen und möglichst viele deutsche Wörter aus den Buchstaben XVRTSMNFKLPZ bilden. Wer am schlechtesten abschneidet, verliert seinen Sitz und wird vom Publikum im Saal fünf Minuten lang mit leeren Bierdosen beworfen.

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Mit "Wähler sucht Sau" schlägt ATV einen völlig anderen Weg ein. In diesem investigativen Format bricht ein vom Wähler angeheuerter Privatdetektiv nachts in die Privatwohnung von Parlamentariern ein und durchsucht sie nach möglichen Hinweisen auf sexuelle Aktivitäten. Sollte er fündig werden, darf das der zugeschaltete Wähler mit den Worten "Der soll was hackln und net pudern um mei Geld!" kommentieren und gibt die Beweise an "News" weiter. Ist jedoch nichts zu finden, montiert der Detektiv Überwachungskameras in der Toilette des Abgeordneten, und die Zuschauer können Woche für Woche den Parlamentarier beim Stuhlgang beobachten.

Auch das "Kanzlertraining" des ORF setzt auf die Verbindung von Privatem und Politischem, allerdings in freier Natur. Acht Wochen vor der Nationalratswahl werden die Spitzenkandidaten der Parteien in einem vom Bundesheer abgeriegelten Kärntner Tal ausgesetzt und müssen - nur mit Janker, Hirschfänger und Flachmann ausgestattet - ihr Überleben meistern und den Konkurrenten möglichst oft die Feuerstelle auswischerln. Die Wähler können mit Spendenzusagen ihre Kandidaten unterstützen, die dieses Geld entweder in weitere Ausrüstung (Schlafsack, Toilettenpapier, Handfeuerwaffe) oder in Anzeigenkampagnen investieren dürfen. Der Kandidat, der in der letzten Sendung die meisten Schwammerln gesammelt hat und sich am Bundesheer vorbei aus dem Tal schmuggeln konnte, wird von neun Würstelstandbesitzern, die die Bundesländer symbolisieren, zum Kanzler gekrönt und darf sich endlich duschen.

Ein ganz anderes Konzept verfolgt Puls 4 mit seinem Realitypolitdokusoapevent-Format "Regierungstausch". Die österreichische Regierung tauscht für jeweils eine Legislaturperiode Land und Amtssitz mit ihren Kollegen aus Iran, Nordkorea und Simbabwe. Gefesselt (im Wortsinn) können die Zuschauer nun die Polit-Profis anderer Länder bei der Arbeit beobachten: Nicht durch rechtsstaatliche Skrupel belastet, brechen die sympathischen Gewaltherrscher verkrustete Strukturen auf und schmeißen überflüssiges Gerümpel (Meinungsfreiheit, Pluralismus, Mehrparteiensystem) auf die Müllhalde der Geschichte. Die Quoten sind traumhaft, die Werbeeinnahmen der Sender schießen in die Höhe, die Branche jubelt. Nur Stefan Raab macht nicht mit. Der gründet gerade eine Religion.




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Dokument erstellt am 2012-09-14 17:29:06


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