• vom 23.09.2012, 14:00 Uhr

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Ich habe immer noch kein iPhone


Von Peter Krobath



Eine jüngst im Auftrag der ÖBB erstellte Kundenzufriedenheitsanalyse soll angeblich zeigen, dass die Österreicher Sicherheit, Pünktlichkeit, Fahrgastinformationen und Freundlichkeit des Zugpersonals mit durchwegs guten Noten bewerten. Was mich, wenn ich an meine eigenen Erfahrungen zurückdenke, doch einigermaßen irritiert. Bin wohl wieder im falschen Zug gesessen.

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Andererseits: Zufriedenheit ist eine Zier. Genauso wie die Bescheidenheit. Und so ist es als ganz wunderbares Zeitzeichen zu werten, dass die Österreicher neuerdings ganz offenbar immer zufriedener und auch immer bescheidener werden. Zuletzt hat sich sogar Marko Arnoutovic öffentlich dafür entschuldigt, dass er beim Ländermatch gegen Deutschland zwei Meter vorm Tor den Ball vorbeigeschossen hat. Und die ganze Nation hat ihm verständnisvoll verziehen. Wir Österreicher haben halt nur die Züge, die wir kriegen, und die Fußballer, die wir verdienen. Wer das kapiert und überdies auch noch begreift, dass das Glück ein Vogerl ist, ein äußerst flatterhaftes Wesen also, das nicht so leicht zu fangen ist, der lebt um Häuser weiter vom Herzinfarkt entfernt als ich zum Beispiel. Weil ich platze nach wie vor sehr leicht. Und neuerdings schlafe ich sogar schlecht.

Ich wälze mich stundenlang im Bett herum, während im Kopf lange Listen mit all dem entstehen, was ich nicht habe und mangels Lotto-Dreifach-Jackpot wohl auch nie bekommen werde. Logisch wäre es umgekehrt dem Wohlbefinden weitaus zuträglicher. Lange Listen mit all dem, was ich schon habe und wofür ich gar keinen Lotto-Dreifach-Jackpot brauche, würden mich weit besser schlafen lassen. Aber so weit bin ich spirituell noch nicht gekommen. Leider.

Wenigstens sind erste Fortschritte zu spüren. Aufgrund der massiven Werbung und weil meine gesamte Umwelt meint, dass ich mobilfunktechnisch ganz eindeutig ein Mensch von vorgestern bin, wollte ich fix bei nächster Gelegenheit das laut Apple-Homepage "dünnste, leichteste und schnellste iPhone" erwerben. Dann habe ich auf ORF-Teletext gelernt: "Das neue iPhone und die neuen iPods führen nicht überall zur Euphorie." Jetzt meine ich: Ohne Euphorie an allen Orten, ohne des intensiven guten Gefühls, Glück zu empfinden also, macht so ein Kauf halt doch nur wenig Sinn.

Letzte Woche ist in Baden ein Ferrari im Straßengraben gelandet. Hatte zwar keinen kausalen Zusammenhang mit mir, aber so muss man das Leben sehen: Die Welt dreht sich weiter. Ich habe immer noch kein iPhone. Und ein Ferrari ist auch nur ein Auto.

Artikel erschienen am 21. September 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 47




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-18 14:59:05
Letzte Änderung am 2012-09-21 12:05:06


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