• vom 22.09.2012, 12:57 Uhr

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diarium

Affenartige Geschwindigkeit


Von David Axmann

Vieles versteht man nie, manches erst spät. Zum Beispiel habe ich erst jetzt, mit fünfundsechzig, begriffen, was es mit der "affenartigen Geschwindigkeit" - einem geflügelten Wort in meiner Kindheit - wirklich auf sich hat. (Wenn sich vor rund sechs Jahrzehnten jemand auf mehr als wieselflinke Weise bewegte, verliehen ihm die staunenden Zuschauer das Prädikat "mit affenartiger Geschwindigkeit", jedenfalls taten sie das in meiner Wiener Umgebung so. In Düsseldorf hingegen hätten sie dem pfeilschnellen Zeitgenossen wohl "einen Affenzahn" nachgerühmt . . .)

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Es ist nämlich so (persönlicher Erfahrungsbericht): Ich sitze am Strand von Cape Vidal, im nordöstlichen Zipfel Südafrikas, und blicke hinaus auf die azurne wilde Weite des Indischen Ozeans. Nahe vor mir hat sich eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter, Sohn und Tochter, zum Picknick niedergelassen. Eine Kühlbox wird geöffnet, Getränke und Speisen werden verteilt. Der Bub hält eine Coladose in der linken, ein Sandwich in der rechten Hand, nimmt einen kräftigen Schluck und will einen herzhaften Biss tun - da hat er (hast du’s nicht gesehn!) auch schon das Nachsehen: eine Hälfte des Jausenbrots ist pfutsch!! An der anderen labt sich, in sicherer Entfernung, genüsslich ein Meeräffchen. Es hat, aus dem Dünenhintergrund hervorschießend, mit affenartiger Geschwindigkeit zugeschlagen.

Der Sandwichknabe war übrigens nicht der Einzige, der an diesem Tag solcherart überrumpelt wurde. Als der Verfasser am Cape Vidal-Parkplatz stoppte, die Autotür öffnete und vergnügten Sinns ausstieg, stieß scheinbar aus dem Nichts hervor eine Affenhand in das Türinnenfach hinein, packte (dem Markennamen "Nimm zwei" keinerlei Beachtung schenkend) die ganze darin steckende Packung mit Fruchtbonbons und sprang damit davon.

Der räuberische Kerl war offensichtlich der Anführer. Denn in sicherer Entfernung begann er nun, die Zuckerln geschickt auszuwickeln und sie sodann teils selber genüsslich zu verzehren, teils gnädig an seine Untertanen zu verteilen. Nach kurzer Verblüffung schlug ich affenartig geschwind die Autotür zu, um weiteres Ungemach zu verhindern.

Warum stehlen Affen? Weil es verboten ist, sie zu füttern. (Gibst du - so heißt es - den Affen Zuckerln, wirst du sie nicht mehr los.) Die uns so eng verwandten Tiere verlegen sich deshalb auf Protestaktionen. Überall dort, wo am Straßenrand Affenfütterungsverbotstafeln stehen, versammelt sich eine Horde von Pavianen oder Baboons zum Sitzstreik auf der Fahrbahn.

Gutmütige Autofahrer stoppen, betrachten amüsiert oder gedankenvoll die animalische Blockade und setzen sich schließlich heftig hupend langsam in Bewegung, so dass sich die Vertreter der Affenrechtsbewegung mit deutlichem Widerwillen zum schleichenden Rückzug an den Straßenrand entschließen müssen. Zielstrebige Lenker rasen mit affenartigem Tempo auf die Sitzgruppe zu - kreischend springen die entsetzten Demonstranten auf und rennen um ihr Leben. Was für ein politisches Gleichnis!




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Diarium, Extra, Glossen

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-21 10:50:02
Letzte Änderung am 2012-09-21 11:53:49


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