• vom 21.09.2012, 17:19 Uhr

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Glossenhauer

Wo bleibt das Subversive?


Von Severin Groebner

  • Wo sind eigentlich die Menschen, die in Österreich den Mächtigen auf den Zahn fühlt? Wer bricht die Tabus? Wer bringt die Verhältnisse zum Tanzen?

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen. Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Das französische Satire-Blatt "Charlie Hebdo" hat sich von den Krawallen in der muslimischen Welt, die ja so spontan und ungelenkt entstehen wie seinerzeit die "Reichspogromnacht" 1938, nicht beeindrucken lassen und bricht auf seinem neuesten Cover gleich drei Tabus auf einmal. Angelehnt an das Plakat des Erfolgsfilms "Ziemlich beste Freunde" schiebt da ein orthodoxer Jude einen strenggläubigen Muslim im Rollstuhl und die Sprechblase lässt beide sagen: "Nicht darüber lustig machen!"

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Das deutsche Satire-Magazin

"Titanic" zeigt auf seiner kommenden Ausgabe die Expräsidentengattin Bettina Wulff und einen Krummsäbel-schwingenden Araber am Titelblatt. Schlagzeile: "Bettina

Wulff dreht Mohammed-Film!"

Und hierzulande? Sind wir nicht die Heimat des Schmähs? Wo bleibt denn unsere Subversion?

Zugegeben, sie ist nicht leicht zu entdecken, aber es gibt sie. Im ORF.

Denn der leistet sich seit Jahren zur besten Sendezeit eine Sendeleiste, die gekonnt alle Register der Satire zu ziehen weiß: die "Seitenblicke".

Oberflächlich getarnt als sogenanntes Society-Magazin wird hier

den Mächtigen und Schönen und Reichen (also eigentlich nur den Mächtigen und Reichen, schön ist was anderes) gnadenlos der Spiegel vorgehalten. Hier wird die ver-

meintlich bessere Gesellschaft aufs Glatteis geführt, denn hier fallen Sätze wie: "Die Salzburger Festspiele sind vorbei - und das gehört gefeiert!" Oder man sieht, wie die Affenforscherin Jane Goodall die Kitzbühler Prominenz mit Affenlauten begrüßt. Und die Prominenz fühlt sich angesprochen. DJ Ötzi wird mit dem Ehrentitel "Nudeltestimonial" ausgestattet, leistungsfrei lebende Damen als "Promi-Ladys" gebrandmarkt und der Bundeskanzler Werner Faymann wird gefragt, ob er eigentlich auf das Geburtstagsfest des Wiener Bürgermeisters gehen muss oder ob er freiwillig da ist.

Wer braucht da noch einen Untersuchungsausschuss, wenn die österreichische Real-Verfassung Abend für Abend so schonungslos enthüllt wird? Ja, hier werden lichtscheue Gestalten aus ihren Ledersesseln ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt.

Ich persönliche vermute ja, dass

sich die "Seitenblicke"-Redaktion aus einem Haufen Alt-Linker zusammensetzt, der es noch nicht aufgegeben hat, die Bevölkerung über die wahren Verhältnisse aufzuklären. Diese im wahrsten Sinne des Wortes "zum Tanzen zu bringen". So hetzen sie von Ball- zum Golfturnier, von der Promi-Auktion zum Edelgastronomen, nur um die Dekadenz, das Luxusleben und die stets grinsenden Gesichter der oberen Zehntausend bis zur Kenntlichkeit zu entstellen. Eine robinhoodeske Hofnarretei mit Kamera, das sind die "Seitenblicke" in Wahrheit. Dass nach all diesen schonungslosen Enthüllungen ein guter Teil der Österreicher trotzdem immer noch glaubt, "die Ausländer sind an allem schuld" und die

FPÖ wählt, ist ihnen nicht anzulasten. Denn sie kämpfen für die Aufklärung. Mit Subversion und bösem Witz.

Und deshalb verbucht der ORF

die "Seitenblicke" auch als Kultursendung.




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Dokument erstellt am 2012-09-21 17:26:05


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