• vom 24.09.2012, 19:29 Uhr

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Sprachschätze

Klein einmal ganz groß


Von Hilde Weiss

  • Ob Obelisk, Sockel, Siegel, Kessel, Bukett, Parzelle oder Wünschelrute: Ohne Verkleinerungen kommt man, zumindest sprachlich, nicht weit.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Verkleinert, aber keine Kleinigkeit: Spachtel und Spatel gehen auf das lateinische Wort spatula für Rührlöffel, "Schäufelchen", zurück, eine Verkleinerung zum Begriff spatha für Schwert und Weberblatt.

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Der Kessel kommt vom lateinischen Wort catillus, Diminutiv zum Begriff catinus für Schüssel.

Schüssel? Auch eine Verkleinerungsform, vom lateinischen Wort scutella für kleine Trinkschale und dieses von scutra für flache Schüssel. Und im Pegel dürfte das mittellateinische Wort pagella für Maßstab, "Blättchen", stecken und dieses ist eine Verkleinerung des lateinischen Worts pagina für Seite, Blatt.

Auch der Zwiebel ist verkleinert, vom lateinischen Wort cepa für Zwiebel. Und Wodka heißt "das Wässerchen", von vódka, der russischen Verkleinerung von Wasser.

Der Sockel, "das Söckchen", geht - eng verwandt mit den Socken - auf die lateinische Verkleinerungsbildung socculus zurück (vom Wort soccus für niedriger Schuh, Hausschuh aus Stoff).

Staatssäckel, "Staatssäckchen", ist eine Verkleinerung des lateinischen Worts saccus für Sack. Und Kapseln, "Behälterchen", kommen von der lateinischen Verkleinerungsform capsula (von capsa für Behältnis).

Im Siegel steckt, verkleinert, das lateinische Wort signum für Zeichen, Abzeichen, Kennzeichen. Das Korsett ist eine Verkleinerung zum altfranzösischen Wort cors für Körper.

Ein Leibchen ist, was man am Leib trägt, "kleiner Leib". Und Enkel heißt "Ahnkerl", kleiner Ahne (wiedergeborener Vorfahre).

Eigentlich klar und doch nicht immer bewusst: Ein Büschel ist ein kleiner Busch, ein Stängel ist eine kleine Stange und im Stöckelschuh steckt ein kleiner Stock. Und deuteln ist ein verkleinertes deuten, im Sinn von kleinlich an Kleinigkeiten herumdeuten. Ein bisschen ist ein kleiner Bissen (Mist, Sondermüll) und bitzeln heißt "bisseln" (ein wenig beißen).

Das Gestikulieren kommt vom lateinischen Verb gesticulari, dem Diminutiv des Begriffs gestus für Mienenspiel, Gebärdenspiel. Ständchen heißt "kleines Zusammenstehen". Das Bukett, "das Wäldchen", ursprünglich bestehend aus ein paar Bäumen und Sträuchern, ist eine Verkleinerung des altfranzösischen Worts bois für Wald. Und Tabletts und Tabletten sind Verkleinerungen zum lateinischen Wort tabula für Tafel, Brett.

In Parzellen und Partikeln steckt, verkleinert, das lateinische Wort pars für Teil. Ein Findelkind ist ein "Fundlkind", ein verkleinertes "Fundkind".

Und im Quäntchen steckt ein Quent und in diesem das mittelhochdeutsche Wort quintin, Viertel eines Lots, ursprünglich Fünftel, und der lateinische Begriff quintus für fünfter (Teil).

Moleküle sind eine Verkleinerungsbildung zum lateinischen Wort moles für Masse, Klumpen.

Obelisken kommen vom griechischen Wort obelískos für Nadel, kleiner Spieß, Bratspieß, einer Verkleinerung des Begriffs obelós für Spitzsäule, Spieß. Und in der Wünschelrute, ursprünglich für verborgene Schätze gedacht, steckt ein verkleinerter Wunsch, "ein Wünschel".



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Dokument erstellt am 2012-09-24 17:56:03


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