
Wieder einmal hab ich meinen Freund Philipp getroffen - ein Theatermacher und Sprachkünstler. Ich bin ihm schon öfter begegnet, dieses Mal in Schwechat. Im dortigen "Theaterforum" hat Johannes Hoflehner eines von Philipps Werken großartig inszeniert: "Der Furchtsame". Es ist eine amüsante Wiener Volkskomödie. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der glaubt, dass er von Geistern verfolgt wird. Außerdem will er seine Tochter mit einem Vollidioten verheiraten, wogegen sie sich heftig wehrt. Der Besessene wurde von Stephan Paryla-Raky grandios interpretiert. Auch die Leistungen der anderen Schauspieler waren hervorragend.
Mein Freund Philipp Hafner ist leider sehr früh verstorben - und zwar 1764 im Alter von 28 Jahren.
Hafner gilt als Vater des Wiener Volksstücks, war ein Vorläufer von Nestroy, ein Bindeglied zwischen Barock und Aufklärung. Ich bin ihm bei Forschungen nach alten Wiener Mundartausdrücken oft begegnet. Wir verdanken ihm beispielsweise das Wort Krispindel.
Philipp Hafner hat eine Figur mit dem Namen Crispin aus den Auftritten französischer Theatertruppen übernommen und sie in ein Wiener Milieu verpflanzt. In seinen Stücken spielen die drei Bediensteten Kasperl, Hanswurst und
Crispin eine entscheidende Rolle. Sie ahmen ihre Herren nach, wobei der Schneidergesell Crispin in
dem komischen Trio zur
zentralen Figur wird.
Spätere Theatermacher haben seine Stücke bearbeitet und in Singspiele umgewandelt. In einem hat Crispin ein Aufrittslied, das zu einem Gassenhauer wurde: "Ich bin der Schneider Wetz und Wetz".
Während im Französischen
Crispin das Synonym für einen frechen, skrupellosen Kerl war, bezeichnet der Ausdruck in Wien eine magere, schwächliche Person, ein Krispindel.
Johannes Hoflehner hat mir nach der Premiere zwei Bücher gezeigt: In einem Band sind Hafners Komödien vereinigt, in dem anderen Burlesken und Prosa. Sie sind im Verlag des Johann Lehner erschienen, ein Kleinstverlag, der sich um die Wiederentdeckung Hafners Verdienste erworben hat.
Österreich ist ja ein komisches Land: Wir haben drei Klassiker, Grillparzer, Raimund und Nestroy. Letzterer ist mein Liebling, und weil Philipp einer seiner Vorläufer ist, hab ich auch ihn gern. Aber wie gehen wir mit unseren Klassikern um! Gut, von Nestroy gibt es eine hervorragende historisch-kritische Werkausgabe, aber was ist mit Raimund, was mit Grillparzer?
Ich komme nicht umhin, darauf hinzuweisen: Die Bücher des Lehner-Verlages wurden bisher als wissenschaftliche Werke gefördert, doch die Zukunft sieht trist aus.
Vor kurzem hat der
Wissenschaftsminister derartige Förderungen abgeschafft. Weil es ja nicht wichtig ist, dass die alten Volksstücke gelesen und gespielt werden können.
Wie dumm, aber vermutlich lässt es sich nicht ändern. Ich kann nichts tun, als Sie ermuntern: Schauen Sie sich den "Furchtsamen" in Schwechat an! Und kaufen Sie die zwei Bände mit den Theaterstücken meines Freundes Philipp Hafner!
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