• vom 27.09.2012, 16:33 Uhr

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Update: 27.09.2012, 16:59 Uhr
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Kunstsinnig

Die rechte und die linke Hand des Klatschens


Von Claudia Aigner

  • Kann man sich seine 15 Minuten Ruhm einfach erschlafen? Ja. Man muss nur müde genug sein. (Aber sie dauern dann vielleicht eh bloß 20 Sekunden.)

So, wir ziehen jetzt schön die Mundwinkel nach unten. Weiter. Noch ein bissl. Bis wir ungefähr so :-( dreinschauen. Supi. Nun passt unsere Mimik perfekt zu dem, was mir vor einer Woche passiert ist. Genau so ein Gesicht hab ich letzten Freitag gemacht. Als "Die große Chance" grad zu Ende war. (Und diese Talentshows funktionieren ja alle nach dem Prinzip: Wennst depperter bist ois mei Bier und mei Bier is ned deppert, bist a Nudelaug und kriegst a Voting, dass da 14 Tog da Schädel wockelt.) Seit dem 21. September um 22.15 Uhr ist es also traurige Gewissheit, dass mich wieder einmal keiner entdeckt hat. Anscheinend fehlt mir dieses Tele-Gen. Oder wie soll ich es interpretieren, dass ich beim Casting dabei war und die vom ORF mich dann einfach rausgeschnitten haben?



Ja, klitzeklein wie ein . (ein Fliegenschiss) war ich schon im Bild. Aber wo, bitte, waren meine Close-ups? Ich hab doch dauernd hochmotiviert in die Kamera gegafft. Die Nase hab ich mir praktisch am Objektiv plattgedrückt. Okay, ich war nur eine Zuschauerin. Trotzdem hab ich hart trainieren müssen. Dass es dem Publikum den Applaus nicht ganz spontan aus den Händen reißt, das war mir bereits klar, als ich noch vor dem Fernseher gesessen bin und nicht drinnen. Ich bin ja keine Prinzessin mit dem Erbsenhirn. Ein Zuschauer im TV-Studio ist ein :--). Ach was, ein :----). Ein Nasenaffe? Nein, ein Schauspieler. Der lügt. Der wird abgerichtet. Der muss zuerst in allen Erregungsstärken klatschen oder Lach-Joghurt machen, äh: -joga (die Stimmung kann man schließlich nicht den Launen des Publikums überlassen), und das wird später ungeniert in die Show reinmontiert.

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Und bei der "Großen Chance" gibt’s halt noch den Emoticon-Look-alike-Contest. Gut, Smileys hat uns der Trainer eh keine gezeigt. Zur Inspiration. "Seid’s erstaunt!" (Aaah!) "Skeptisch!" (Steck ich mir jetzt den Zeigefinger in den Rachen?) "Fassungslos!" (Hm. In manchen Situationen kann man nur noch Daumenlutschen. - Ich will zu meiner Mama!) He, welchen Maler mein’ ich, wenn ich das da: % mit meinen Augäpfeln tu? Den Schiele. (Weil % das Zeichen fürs Schielen ist.) Wann kommt endlich die Castingshow "Cheermania"? Österreich sucht den Superzuschauer. Wo die Cheermaniacs wertvolle Tipps bekommen: "Spend lieber Blut. Und überlass den Beifall denen, die eine rechte und eine linke Hand haben. Und nicht zwei linke Händ’." Und am Schluss gewinnen "Die drei jungen Claqueure". Der :-)8 und der :-)8 und der :-)8, Drillinge mit Mascherl, die sich im Smoking unters gemeine Klatschvolk mischen und es zu Begeisterungsstürmen hinreißen. (Und ihr Preis sind 100.000 Werbesekunden, in denen sie Reklame für eine Handcreme machen dürfen.) Ich hab’s ja bloß zur Backgroundklatscherin gebracht. Und? Wer war statt mir der Star in Großaufnahme? Eine, die eingeschlafen ist. (Ich glaub, mir applaudiert der Affe!) Wo woa ihr Leistung? Na ja, wer im Porzellanladen sitzt, soll besser nicht mit Elefanten werfen. Im Gymnasium hat sich nämlich einmal wer beim Religionslehrer beschwert, dass der ihm nur einen Dreier gegeben hat und mir einen Einser: "Oba Herr Pforra, die hod doch nie a Wuat gsogt!" - "Das nennt man passive Mitarbeit." Amen.




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Kunstsinnig, Meinung, Glossen

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-27 16:38:06
Letzte Änderung am 2012-09-27 16:59:45


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