"Die Bewerbung um das höchste Amt im Staat verlangt bestmögliche Planung, größtes Engagement und höchste Präzision. Kernpunkte der Wahlkampagne sind die landesweite Mobilisierung einflussreicher Freunde und das Gewinnen der Sympathie breiter Wählerschichten. (. . .) Das Allerwichtigste aber ist ständige Präsenz und ein positives Bild des eigenen Kandidaten in der Öffentlichkeit. Gleichzeitig ist es hilfreich, Negativgerüchte über den Gegner in Umlauf zu bringen." - Dies sind nicht etwa Auszüge eines geheimen Strategiepapiers aus der Wahlkampfzentrale von Barack Obama oder Mitt Romney, sondern Anweisungen im "Leitfaden für den Wahlwerber" (commentariolum petitionis), der vor über 2000 Jahren für Bewerber um das Konsulat, das höchste Amt in der römischen Republik, geschrieben wurde.
Dieses Traktat fand im alten Rom viele interessierte Leser, schließlich wurden die hohen Beamtenposten damals jedes Jahr neu besetzt, sodass sich Rom ständig im Wahlkampf befand. Ein politisches Programm war dabei allerdings weniger wichtig als die persönliche Ausstrahlung und das Auftreten des Kandidaten. Wichtig war es auch, sich die Unterstützung möglichst vieler einflussreicher Freunde zu sichern.
Der Anwalt Cicero erwarb sich etwa durch juristischen Beistand die Sympathie vieler einflussreicher Römer und wurde durch spektakuläre Prozesse öffentlich bekannt und populär. Die erfolgreiche Anklage gegen den gierigen Statthalter Verres brachte ihm das Image eines politischen "Saubermanns" ein, ehe er im Jahr 66 v. Chr. öffentlich dafür eintrat, dem beim Volk beliebten Pompeius ein wichtiges militärisches Kommando zu übertragen. Drei Jahre später verteidigte er einen designierten Konsul, dem Unregelmäßigkeiten im Wahlkampf vorgeworfen wurden. Diese Auftritte trugen entscheidend zur langen und erfolgreichen politischen Karriere Ciceros bei.
Auf jeden Fall ging es auch in der römischen Republik um viel Geld. Aufwändige Wahlkampfveranstaltungen sind keine moderne Erfindung, sondern waren bereits im alten Rom fixer Bestandteil jeder Wahlkampagne. Besonders beliebt waren Gladiatorenkämpfe und öffentliche Gelage zum Nulltarif. So sehr persönliche Bescheidenheit gefragt war, so großzügig und verschwenderisch sollte sich der Kandidat gegenüber seinen potenziellen Wähler zeigen - ein knausriger Politiker hatte keine Chance. Der aufstrebende Jungpolitiker Julius Cäsar etwa soll sich mit 1300 Talenten (nach heutiger Währung wohl zig Millionen Euro) verschuldet haben, noch ehe er überhaupt ein hohes politisches Amt innegehabt hatte. Der spätere Diktator auf Lebenszeit konnte es verschmerzen - er hatte reiche Freunde.
Mario Rausch,geb. 1970, studierte Klassische Archäologie und Alte Geschichte und lebt als Publizist in Klagenfurt und Wien.
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