• vom 28.09.2012, 17:38 Uhr

Glossen

Update: 28.09.2012, 17:50 Uhr
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Glossenhauer

Wie sag ich’s meinen Nachbarn?


Von Severin Groebner

  • Was sagt man, wenn man im Ausland (etwa Deutschland) unterwegs ist und dann einmal gefragt wird, was denn da eigentlich in Österreich los sei?

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen. Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Der Frager wolle ja nicht stören, sagt er, aber er hätte was gehört. Schließlich studiere ja die Frau Tochter in Wien, und die hätte ihm ja erzählt, dass es da ja ziemlich . . . also wirklich . . . und ob man das nicht mal kurz erklären und zusammenfassen könnte.

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Was, bitte schön, soll man dann sagen?

Soll man mit einer generösen Handbewegung, die man sich von Erwin Pröll abgeschaut hat, alle im Raum schweigen heißen und sagen: "Ach, das ist alles medial aufgebauscht! Da wollen sich nur ein paar Journalisten wichtig machen. Die verwechseln Korruption mit Tradition. Das haben wir schon immer so g’macht. Was zählt, ist doch, dass wir immer noch wirtschaftlich besser dastehen als Bulgarien und Burundi zusammen und im Winter den Ski-Weltcup holen! Was wolltest Du trinken? Obstler??"

Oder soll man betroffen in sich zusammensinken, tief ein und aus atmen, bis die Tränensäcke leicht zu vibrieren beginnen und mit einer Stimme, die an die letzten drei Johnny-Cash-Alben erinnert, leise, aber doch dröhnend, mantraartig flüstern: "Des derf ollas net woa sein, des derf afoch ollas net woa sein, des derf do net . . ." Und zwar so lange, bis der Fragesteller einem einen Obstler zahlt.

Oder sollte man ihn (den Fragenden, nicht den Obstler) fest ins Auge sehen, einmal tief durchatmen und schließlich ansetzen mit: "Ach, das! Das ist im Prinzip ganz einfach. Wir haben jahrelang eine große Koalition gehabt, die sich das Land, die Posten und Einflusssphären untereinander aufgeteilt hat. Aufgrund dessen haben sich im Lauf der Zeit zwei Oppositionsparteien etabliert: Die Grünen und die Freiheitlichen. Die Grünen waren einmal jung, links und frech, aber das ist lang her. Die Freiheitlichen waren dagegen immer schon das Sammelbecken für Jung- und Altnazis. Da kam auch der Haider her, genau! Dann haben die Schwarzen zusammen mit den Freiheitlichen, also den Blauen, im Jahr 2000 eine Regierung gebildet. Angeblich um ,verkrustete Strukturen‘ aufzubrechen, de facto aber, um sich und ihre Geschäftsfreunde zu bereichern. Dann sind die Blauen zerbrochen, in die Blauen und die Orangen. Dann gab es wieder eine ,große‘ Koalition und

in dieser hat der Verkehrsminister die Boulevardzeitungen mit hoch dotierten Anzeigen zugesch . . . zugekleistert. Der ist mittlerweile Bundeskanzler. Und jetzt gibt es einen Untersuchungsausschuss,

der die undurchsichtigen Geschäfte von den Roten, den Schwarzen, den Blauen und Orangen beleuchten soll.

Da hat eine Grüne den Vorsitz gehabt. Die haben aber die Roten, Schwarzen, Blauen und Orangen zusammen abgesägt, weil sie natürlich nicht wollen, dass der Ausschuss weiter untersucht. Wegen ihrer illegalen Parteienfinanzierung, Bankenverkauf, Provisionen für den Verkauf von Bundeswohnungen, Beraterverträgen von der Telekom, dubiosen Inseraten, Bestechung, Waffenverkäufen, undurchsichtigen Kontakten zu osteuropäischen ,Geschäftsleuten‘ und . . . Ach, Scheiße noch einmal! Es ist soooo zum Kotzen! Ich brauch’ jetzt einen Obstler . . ."




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-28 17:20:06
Letzte Änderung am 2012-09-28 17:50:53


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