• vom 08.10.2012, 16:51 Uhr

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Sprachschätze

Furunkel, Frettchen und Fortuna


Von Hilde Weiss

  • Was haben Präferenzen, Differenzen und Referenden mit Eimern und Amphoren gemeinsam, mit Phosphor, Oblaten, Toleranz und Fruchtbarkeit?

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Es gibt Wörter, die sind besonders vielseitig und nützlich. Das lateinische Verb ferre für tragen und bringen gehört dazu. Referat, Referenz, Referendum, referieren, Referendar, Referee - in allen steckt das lateinische Verb referre für zurückbringen, rückmelden, "zurücktragen". Dazu der Transfer, "die Übertragung" (Überführung), die Konferenz, vom lateinischen Verb conferre für zusammenbringen, "zusammentragen", und der Conférencier. Und dann geht es erst richtig los: Die Differenz, vom Verb differre für sich unterscheiden, "auseinandertragen", gesellt sich dazu und die Präferenz, vom Verb praeferre für vorziehen, "vortragen". Dazu noch Fortuna, Glück, Schicksal, Geschick, Zufall, "das Zugetragene". Auch Furunkel, "die kleinen Diebe", kommen vom Verb ferre, das im lateinischen Wort fur für Dieb steckt, "der etwas wegträgt".

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Frettchen gehen auf den lateinischen Namen furo für Iltis zurück, "der was davonträgt". Und Luzifer, ursprünglich ein Wort für Morgenstern, heißt "Lichtträger".

Nicht nur das Offerieren kommt vom Verb offerre für darreichen, entgegenbringen, "entgegentragen", sondern auch die Oblaten, "die (als Opfer) Dargebrachten", denn hier kommt der Suppletivstamm latum ins Spiel, wie auch beim Superlativ (von superferre für darüberlegen, "darübertragen"), beim Ablativ, "dem Woherfall" (von ablatus für weggebracht, weggetragen), und beim Elativ (von efferre für

emporheben, emportragen).

Alles relativ, relativiert, ob Relation, Relativität oder Public Relations, es kommt vom bereits erwähnten Verb referre für zurückbringen, zurückführen, sich beziehen auf etwas.

Die Legislative gehört ebenfalls hierher, vom Begriff legem ferre für Gesetze einbringen. Dazu kommt noch der Prälat, vom Verb praeferre für vorziehen, "vortragen" (wie die schon erwähnte Präferenz).

Und die Toleranz, von tolerare für erdulden, ertragen, erklärt sich aus dem Suppletivstamm tuli.

Das ist aber noch nicht alles.

Eng verwandt, über das griechische Verb phérein für tragen, sind all diese Wörter auch mit dem

Metaphorischen, "dem Übertragenen", mit dem Phosphor, "dem Lichtträger" (wie Luzifer), mit der Peripherie, "der Weggetragenen"

(an den Rand), und dem Euphorischen, "dem Wohltragen" (sich wohl befinden). Dazu kommt die Amphore, vom Begriff amphoreús für Gefäß mit zwei Henkeln, "Trägern",

und als Verkleinerung Ampel und Ampulle.

Dazu kommt noch der Eimer, ebenfalls vom Begriff amphoreús, aber im Althochdeutschen zu eimbar, "Ein-Trage", umgedeutet - was uns zum nächsten Familienzweig bringt, zum germanischen Verb bera für tragen, bringen.

Dieses vergrößert die Familie, die durch die indoeuropäische Wurzel bher- für tragen, bringen zusammengehalten wird, um Gebärden und Gebaren, "Betragen", um das

Gebären, "das Austragen", um die Bahre, "die Trage", um die Bürde,

"die man zu tragen hat", und um

die Entbehrung, "was man nicht trägt" (nicht hat).

Ungebärdig, "schlecht betragend". Fruchtbar, "fruchttragend". Urbar, "ertragbringend".



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Dokument erstellt am 2012-10-08 16:56:02


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