• vom 12.10.2012, 10:00 Uhr

Glossen

Update: 12.10.2012, 11:00 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Wiener Journal

Gradheraus


Von Monika Jonasch

Den genauen Wortlaut merke ich mir nicht, auch wenn ich ihn recht oft höre. Aber jedes Mal amüsiert es mich wieder, wenn bei den Durchsagen der Öffis von "unterschiedlichen Intervallen" die Rede ist.



Das ist nämlich verbaler Kaiserschmarren, wenn auch g’schmackig angerichtet: Man spricht nicht davon, wie die unterschiedlichen Intervalle zustande kommen. Oder welche Folgen sie für uns Fahrgäste haben. Und so ein unterschiedlicher Intervall kommt ja auch ganz harmlos daher. Wobei der versierte Öffi-Fahrgast weiß, was damit gemeint ist und sich halt doch ärgert. Wenn man aber länger hinhört, auf die englische Durchsage, kann man schon fast wieder lachen. Von "delays" ist da die Rede. Im Englischen spricht die Öffi-Stimme also Klartext: Verspätungen. Wie gut, dass Wien so eine internationale Stadt ist! So wird dem internationalisierten Wiener wenigstens auf Englisch gradheraus gesagt, wie es halt ist. Man könnte auch sagen: "Liebe Leute, heute kommt ihr später ans Ziel. Gründe verraten wir keine, das würde zu weit führen, ändert eh nichts. Und wir sagen auch nicht, um wie viel wir uns verspäten. Das wissen wir selbst nicht." Dann käme man sich als Fahrgast wenigstens ehrlich informiert vor, verarscht vielleicht (sorry!), aber dafür gradheraus. Unterschiedliche Intervalle hingegen, also wirklich...!

Werbung

Artikel erschienen am 12. Oktober 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 3




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-10 14:19:03
Letzte Änderung am 2012-10-12 11:00:18


Beliebte Inhalte



Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.
  • Wenn diesen Samstag die Deutschen das Champions-League-Finale und die Wiener den Life Ball feiern, dann ist das im Prinzip das Gleiche.
  • weiter


Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".
  • Das Champions-League-Endspiel wirft seine Schatten voraus. Deutsche Medien werben mit peinlichen Slogans um Zuseher, Kommentatoren feilen an Pointen.
  • weiter

Was für ein Vorschlag! Da überlegen Kraftfahrzeugversicherer doch allen Ernstes, mittels Elektrochip das Fahrverhalten der Autofahrer aufzuzeichnen...weiter

Je deutlicher sich die Welt in Richtung Wahnsinn dreht, desto öfter denken manche Menschen nach. Und zwar nicht nur in einschlägigen Zirkeln...weiter

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".
  • Hier handelt es sich um zwei Begriffe mit leicht divergierenden Bedeutungen, wobei Shoah immer häufiger verwendet wird.
  • weiter

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.
  • Österreich hat es gut! Wer es nicht glaubt, möge den Vizekanzler fragen oder in die Zeitung schauen.
  • weiter



Werbung




Stammgast beim Life Ball: Bill Clinton.

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung