Den genauen Wortlaut merke ich mir nicht, auch wenn ich ihn recht oft höre. Aber jedes Mal amüsiert es mich wieder, wenn bei den Durchsagen der Öffis von "unterschiedlichen Intervallen" die Rede ist.

Das ist nämlich verbaler Kaiserschmarren, wenn auch gschmackig angerichtet: Man spricht nicht davon, wie die unterschiedlichen Intervalle zustande kommen. Oder welche Folgen sie für uns Fahrgäste haben. Und so ein unterschiedlicher Intervall kommt ja auch ganz harmlos daher. Wobei der versierte Öffi-Fahrgast weiß, was damit gemeint ist und sich halt doch ärgert. Wenn man aber länger hinhört, auf die englische Durchsage, kann man schon fast wieder lachen. Von "delays" ist da die Rede. Im Englischen spricht die Öffi-Stimme also Klartext: Verspätungen. Wie gut, dass Wien so eine internationale Stadt ist! So wird dem internationalisierten Wiener wenigstens auf Englisch gradheraus gesagt, wie es halt ist. Man könnte auch sagen: "Liebe Leute, heute kommt ihr später ans Ziel. Gründe verraten wir keine, das würde zu weit führen, ändert eh nichts. Und wir sagen auch nicht, um wie viel wir uns verspäten. Das wissen wir selbst nicht." Dann käme man sich als Fahrgast wenigstens ehrlich informiert vor, verarscht vielleicht (sorry!), aber dafür gradheraus. Unterschiedliche Intervalle hingegen, also wirklich...!
Artikel erschienen am 12. Oktober 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 3
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