• vom 12.10.2012, 17:12 Uhr

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Glossenhauer

Bücher für die Welt


Von Severin Groebner

  • Es ist Frankfurter Buchmesse und die Welt spricht fünf Tage über nichts anderes als über Literatur. Dabei sind die wichtigsten Bücher noch nicht geschrieben.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen. Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Ein Blick auf die Neuerscheinungen dieser Tage zeigt, welche Kapazunder zurzeit die Verlage bei Laune und Kasse halten. Arnold Schwarzenegger, der der Weltliteratur ja schon Sätze wie "Hasta la vista,

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baby" geschenkt hat, hat seine Autobiografie veröffentlicht. Gerüchte, dass dieses Buch eigentlich von seiner Haushälterin geschrieben wurde, wollte er nicht kommentieren. Auch seine nicht minder talentierte Parteikollegin Sarah Palin schreibt gerade ein Buch: über Fitness und Selbstdisziplin. Natürlich, denn man muss ja schon sehr fit sein und eine Menge Selbstdisziplin besitzen, um ihren Interviews bis zum Ende zu lauschen und nicht, wie es einem eigentlich das Bauchgefühl sagt, den Fernseher beim Fenster raus zu schmeißen. Aber immer noch besser, als wenn sie eins über Geografie schreiben würde. Oder über Politik!?

Apropos Politik: Auch der heimischen politischen Klasse würde

ein wenig literarisches Schaffen

gut zu Gesicht stehen. Wie wär es mit Werner Faymanns "Ohne Worte - meine schönsten Aussagen vor dem Untersuchungsausschuss"? Oder Harald Dobernigs Autobiografie "Ein echter Kärntner - wie

ich es geschafft habe, trotz eines slowenischen Nachnamens mich

tief in das Rektum des Kärntner Abwehrkämpferbundes zu begeben".

Aber auch ein Band aus dem

beliebten Bereich der Selbsthilfebücher wäre aus seiner Feder

denkbar: "Einstiegsdroge: Wie man eine Partei finanziert - mit Geld,

das einem nicht gehört".

Allerdings zeigt ja auch der Erfolg von "Shades Of Grey" oder die Verkaufszahlen von sogenannten Intim-Beichten, wie sehr doch

das Publikum nach klebrigen Details aus dem Privatleben anderer

giert. Je schmutziger, umso besser. Diese Lust könnte perfekt das Autorenkollektiv "Die oberen zehn Prozent" bedienen. Allein ihre Weigerung, ihre Namen nennen zu wollen, wird den Hype anheizen,

der zweifelsohne um die düstere Enthüllungsstory entstehen wird: "Danke ÖVP - Wie wir 55 Prozent des Gesamtvermögens des Landes besitzen und es dennoch schaffen, konsequent eine effektive Besteuerung von Vermögen, Aktien und Erbschaft zu verhindern, dafür

aber die Einkommen der restlichen 90 Prozent steuerlich schröpfen". Zugegebenermaßen ein Scheiß-Titel, aber dafür echte dreckige, dunkle Storys, voller gesellschaftlicher Abgründe. Allein die Schilderung, wer sich mit wem am Jägerball

trifft, verlangt dem Leser alles ab. Echte Ekelstorys! Das ist nichts für kleine Kinder!

Am liebsten hat das Publikum

aber natürlich Heldentaten. Geschichten von Menschen, die

"Übermenschliches" geleistet haben (gibt es "Untermenschliches"

eigentlich auch?). Geschichten, die uns anregen, auch einmal den Schritt aus der Mittelmäßigkeit hinaus zu wagen. Und deshalb bestellen Sie schon jetzt Felix Baumgartners fesselballönerne Story, das Medienereignis noch einmal in Buchform: "Weltrekord! Eine Million Menschen schauen zu - und es passiert nichts".

Und wenn Sie das alles nicht haben wollen, dann . . . kaufen Sie eben mein Buch.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-12 17:17:10


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