• vom 15.10.2012, 16:58 Uhr

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Sprachschätze

Wie man zum Schlechtesten kommt


Von Hilde Weiss

  • In welcher Form welches Wort ist, in welchem Zustand sozusagen, das kann mitunter durchaus einen zweiten Blick wert sein.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Honoratioren, Herren, Majestäten: Zum Beispiel der Komparativ, vom lateinischen Verb comparare für gegenüberstellen, "gleichstellen", taucht an mehr Stellen unseres Vokabulars auf, als meist bewusst wird. Seit, das heißt, von einem germanischen Wort für später, weiter, "später als". Nicht eher,

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das kommt vom germanischen komparativischen Adverb airiz für früher (am Morgen, bei Tagesanbruch), eng verwandt mit eh, ehe und erst. Und leider entpuppt sich als der Komparativ von leid: Oft

ist man etwas leid, "leider".

Auch die Besserung gehört natürlich hierher, vom germanischen Wort batista für besser, eng verwandt

mit der Buße, "die bessert", und eng verwandt mit dem Lückenbüßer,

der die Lücke "ausbessert" (füllt), und mit der Redensart, bass erstaunt zu sein, "besser (sehr) erstaunt". Und das Ärgernis ist als "das Ärgere", das verärgert, der Komparativ von arg.

Der Plural, "der aus mehreren besteht", kommt vom lateinischen Wort plus für mehr, dem suppletiven Komparativ zu multus, viel. Mehr? Der germanische Komparativ

maizon für mehr geht auf die indoeuropäische Wurzel me- für groß, ansehnlich zurück, eng verwandt mit nimmer, das aus nie und mehr besteht. Nimmermehr, "niemehrmehr".

Das Esoterische, "das Innerliche", führt zum griechischen Wort esoteros, dem Komparativ von éso für innerhalb, drinnen. Und die Prioritäten (nicht nur die des Priors) kommen vom lateinischen Wort prior

für vorder, der Vordere, Komparativ (neben dem Superlativ) zu primus, erster, eng verwandt mit dem Primitiven, "dem Ersten" seiner

Art (dem Unentwickelten, Unkultivierten), eng verwandt mit den Prinzipien, "den Ersten" (den Vorrangigen), und den Prinzen.

Eine Lehnübersetzung dazu ist der Fürst, "der Vorderste".

Bei den Junioren hat man es mit dem lateinischen Komparativ iunior, "der Jüngere" (zu iuvenis, jung), zu tun. Ähnlich die Senioren und die Senatoren, vom Komparativ senior, "der Ältere" (zu senex, alt). Auch Eltern sind, als Plural des Komparativs von alt, "die Älteren". Und die Honoratioren, "die Angeseheneren", gehen auf den lateinischen Komparativ honoratiores zurück (zu honoratus, geehrt, geachtet).

Majestätisch, das kommt vom lateinischen Komparativ maior (zu magnus, groß, bedeutend), gemeinsam mit der Majorität, "der Größeren", der Meierei und dem Namen Meier, ursprünglich der Majordomus, "der Hausmeier" ("der Obere des Hauses"), der Vorsteher, Aufseher, Wirtschafter. Und aus dem Komparativ von hehr ist der Herr entstanden, "der Hehrere", wobei hehr ursprünglich grau hieß,

grauhaarig und dadurch auch erhaben und ehrwürdig, eng verwandt mit dem Herrschen und

der Herrlichkeit.

Das lässt sich natürlich steigern, zur Aristokratie zum Beispiel, in der die griechischen Wörter áristos für der Tüchtigste und krátos für Macht, Gewalt stecken. Und steigern auch zum Pessimismus, vom lateinischen Wort pessimus für der Schlechteste, dem suppletiven Superlativ von malus für schlecht, schlimm, übel, böse, nichtsnutzig.



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Dokument erstellt am 2012-10-15 17:06:03


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