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Update: 03.12.2012, 13:29 Uhr
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Sedlaczek am Mittwoch

"An Der Schönen Blauen Donau"


Von Robert Sedlaczek

  • Die Großschreibung in Titeln von Musikstücken, ja sogar auf Buchumschlägen, greift um sich - wieder eine Übernahme aus dem Englischen.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".

Zunächst habe ich es nicht bemerkt, aber als mir "WZ"-Leser Klaus Matzka per E-Mail das Cover des neuen Buches von J. K. Rowling geschickt hat, war alles klar. Der Titel lautet "Ein Plötzlicher Todesfall". Ja, so steht es auf dem Umschlag. Das adjektivische Wort "plötzlich" wird mit einem großen P geschrieben.

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"Ist das der nächste Anglizismus?", will Klaus Matzka wissen. Ja. Da wird ein Prinzip aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Im Englischen schreibt man in Überschriften alle wichtigen Wörter groß, nur Artikel, Präpositionen und Konjunktionen klein. Nach einem anderen System, das einfacher ist, werden generell große Anfangsbuchstaben verwendet.

Auf der Originalausgabe des Buches von J. K. Rowling - es ist der erste Roman der Harry-Potter-Erfinderin, der für Erwachsene geschrieben ist - liest man auf rotem Hintergrund die Wörter "The Casual Vacancy". Grafisch sieht das gut aus, "The" ist in einer zarten Kursivschrift gesetzt, "Casual Vacancy" in klobigen Lettern.

Die Grafik der Originalausgabe ist vom Carlsen Verlag eins zu eins übernommen worden, man hat lediglich drei Wörter gesucht, die nach dem gleichen Muster umgesetzt werden können. Aus "The Casual Vacancy" ist "Ein Plötzlicher Todesfall" geworden.

Es gibt allerdings einen großen Unterschied: Im Englischen ist "The Casual Vacancy" regelkonform, "Ein Plötzlicher Todesfall" ist hingegen fehlerhaftes Deutsch. Dass man das kursiv gesetzte "Ein" aus der Entfernung nicht sieht, womit nur "Plötzlicher Todesfall" wahrnehmbar ist, mildert den Fauxpas nur unwesentlich. Auf den inhaltlichen Unterschied zwischen dem englischen und dem deutschen Titel will ich hier nicht eingehen. Um die Änderung zu beurteilen, müsste ich den Roman lesen, was ich nicht tun werde.

Wie wird es weitergehen? "For Whom the Bell Tolls" heißt ein berühmtes Buch im Original. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir am Schutzumschlag der deutschen Ausgabe "Wem Die Stunde Schlägt" lesen. Oder übertreibe ich da?

Nein. Ich bemerke, dass dieses System bei Musikdownloads bereits seit einiger Zeit praktiziert wird. Mit dem Herunterladen kommt ja auch der Titel des Musikstücks auf das Gerät, und da werden alle Wörter mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben, auch wenn es sich um deutsche Titel handelt. Das führt zu haarsträubenden Schreibungen wie "An Der Schönen Blauen Donau".

Zwar kann man die Titel händisch korrigieren, das heißt überall dort, wo fälschlich ein großer Anfangsbuchstabe steht, einen kleinen setzen, aber dass wir uns dieser Mühe unterziehen sollen, ist eine Zumutung. Wir sollen es nur deshalb tun, weil einige US-Konzerne nicht bereit sind, die Prinzipien der Klein- und Großschreibung im Deutschen anzuerkennen.

Noch schlimmer ist der Buchumschlag des Carlsen Verlages: "Ein Plötzlicher Todesfall". Dass dieser Verlag eine Unart der Musikindustrie gedankenlos übernimmt, disqualifiziert ihn hoffentlich bei den sprachbewussten Lesern.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-16 17:35:05
Letzte Änderung am 2012-12-03 13:29:55


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