
Ich bin dem Leser ja noch eine Antwort schuldig. Die Frage hat gelautet: Warum hab ich, als ich mich in der ersten Klasse Gymnasium zur Klassensprecherin wählen lassen wollte, nur eine einzige Stimme gekriegt? Antwort: Weil ich mich nicht selber gewählt habe. Logisch. Sonst hätt’ ich ja zwei Stimmen bekommen. (Blöde Frage.)
Hm. Was ist beschämender: Wenn man für ein Amt kandidiert und der einzige Wähler, den man überzeugen kann, ist man selbst, oder wenn man für ein Amt kandidiert und die eine Stimme, die man ergattert, ist nicht von einem selber? Vielleicht hätt’ ich mir vorher die Gebrauchsanweisung für mein Wahlrecht durchlesen sollen. Besonders den Punkt "Wichtige Hinweise für die Spitzenkandidaten". Weil da ist sicher ganz oben gestanden: "Um Ihren Wahlerfolg zu maximieren, empfehlen wir, dass Sie das Kreuzl bei ihrem eigenen Namen machen." Peinlich, peinlich. Ich hab mich als totale Amateuse geoutet. Ach nein, hat eh jeder gedacht, die Stimme wär’ von mir. He, das war bestimmt dieser ominöse anonyme Wahlberechtigte: der Wähler. Und mich hat er auserwählt. Ich bin unheimlich stolz. (Lieber Wähler! Mit deiner Stimme hast du mich gerettet. Du bist mein Held. Bussi! Und bei der Gelegenheit möchte ich auch gleich dem Leser herzlich dafür danken, dass ich wegen ihm keine Irre bin, die Selbstgespräche führt. Danke, Hubert!) Es könnte aber natürlich auch ein Protestwähler gewesen sein. Äh, hallo? Wir waren in der ersten Klasse! Da hat noch kein Titelverteidiger existiert! Na und? Hat er halt gegen den künftigen Titelverteidiger protestiert. Und woher hat er gewusst, dass er nicht gegen mich aufbegehren muss? Also bitte. Gegen eine, die sich nicht einmal selber wählt . . . Und wieso hat sie sich nicht gewählt? Aus Bescheidenheit. (Oh, ich halt’s nimmer aus. Ich muss sofort eine flammende Rede halten: "Please bring me the broom! Please bring me the broom now! Damit ich mein Licht unter den Teppich kehren kann!")
Na ja, nach dieser jahrelangen Gehirnwäsche namens "Erziehung für Mädchen" hab ich eben geglaubt, dass Eigenlob wirklich stinkt. Dass man davon Mundgeruch kriegt. Und ich hab diese bizarre Störung: Manieren. (Echt beunruhigend.) Und einen "Bitte, nach Ihnen"-Tick. Ich lass immer alle vor mir gewinnen. Führ mich auf wie der letzte Gentleman auf dem Fußballplatz. ("Oh, Tschuldige. Wolltest du grad den Ball?") Klar, dass das Team Claudia die absolute Minderheit errungen hat. Politik braucht Egoismus. Okay, mich mit dem Dienstwagen rumchauffieren zu lassen, während meine Untertanen selber fahren müssen, das bring’ ich zur Not noch zusammen. Außerdem sind diese Autofahrer selber schuld, wenn sie dauernd einem plötzlich auf die Straße springenden Radweg ausweichen müssen oder scharf abbremsen müssen, weil ihnen eine Fußgängerzone vors Fahrzeug läuft (quiiiiiiietsch!). Weshalb nehmen die Gfraster nicht das Fahrrad? (Oder von mir aus die U-Bahn.) Wir werden jedenfalls so lange neue Radwege in Wien anlegen, bis man sie mit freiem Auge vom Weltall aus sieht. Dann können sich die Chinesen brausen gehen mit ihrer Pimperl-Mauer. (Ich sollte mir jetzt wohl schleunigst ein Radl ausborgen. Sonst verpass’ ich noch das ganze Weltwunder.)
Jeder, der Filme mag, kennt das Gesicht von Harrison Ford, Michelle Pfeiffer und vielen anderen mehr. Und er kennt die Stimmen der Schauspieler...weiter