Von Einsiedlern und Einzelgängern abgesehen, kommen die Menschen ohne einander nicht aus. Der Einzelne sucht die Gemeinschaft, das Individuum die Gesellschaft, und zwar eine, die zu ihm passt. Da gibt es etwa Flug- und Rettungsgesellschaften, die Gesellschaft der Musikfreunde, eine Gesellschaft zur Bekämpfung der Nüchternheit, zur Stärkung der Verben oder zum Distelzwang; es gibt viele Gesellschaften mit beschränkter Haftung (jedoch kaum eine mit unbeschränkter), sowie offene und geschlossene Gesellschaften. Die feine Gesellschaft, despektierlich betont, ist keine solche, vielmehr eine miese, wohingegen die gute Gesellschaft von sogenannten besseren Kreisen gebildet wird.
Den soziologischen Superlativ verkörpert die beste Gesellschaft, die sehr leicht daran zu erkennen ist, dass ihr auch Georg Markus angehört: als journalistische Randerscheinung, die davon lebt, dass sie sich vom Zentrum bezaubern lässt. So sehr, dass dieser Panegyriker schon verstorbener oder noch lebender Prominenz das Buch "In bester Gesellschaft - Geschichten und Anekdoten aus 25 Jahren Seitenblicke" im Amalthea Verlag herausgegeben hat.
Die ORF-"Seitenblicke"-Ge-sellschaft besteht bekanntlich aus Leuten, die sich regelmäßig irgendwo treffen, vorausgesetzt, dass sie dort auf das ORF-"Seiten- blicke"-Team treffen, welches aus TV-Journalisten besteht, die am liebsten von jenen prominenten Zeitgenossen und -innen berichten, die es nur deshalb geworden sind, weil regelmäßig von ihnen berichtet wird.
Das Ranking der am häufigsten in den "Seitenblicken" Aufgetretenen wird angeführt von Alfons Haider, Harald Serafin und Dagmar Koller, auf Platz 7 liegt Niki Lauda, auf Platz 10 Birgit Sarata, auf Platz 35 Udo Jürgens, auf Platz 112 Georg Markus.
Ich selbst komme in der Liste nicht vor, denn ich bin nur ein einziges Mal in die "Seitenblicke" geraten. 2008 wurde Friedrich Torbergs 100. Geburtstag gefeiert. Zu diesem Anlass erschienen eine von mir (als des Schriftstellers Nachlassverwalter) verfasste Torberg-Biographie und ein Auswahlband der Korrespondenz zwischen Ephraim Kishon und seinem deutschen Übersetzer Torberg. Kishons Witwe Lisa und dem Verlag LangenMüller gelang es, die "Seitenblicke" für die Präsentation der beiden Bücher zu interessieren: Die Witwe durfte vier bis fünf Sätze sagen, ich etwa eineinhalb.
Meine nachhaltigste persönliche Begegnung mit dem Fernsehen war meine allererste, in den frühen 70er Jahren an der Universität. Als ich in einer Vorlesungspause mit einigen Studienkollegen beisammen stand, kam eine ORF-Reporterin nebst Kamera- und Tonmann auf uns zu und fragte, ob sie uns zu einem hochschulpolitischen Thema (ich weiß nicht mehr, zu welchem) befragen dürfe. Wir sagten zu, diskutierten den Streitfall eine Zeitlang, bis die energische Dame, auf drei von uns zeigend, befahl: Wir nehmen jetzt auf! Sie sind dafür, Sie dagegen, und Sie antworten neutral!
Seitdem sehe ich die objektive Fernsehberichterstattung mit subjektivem Vorbehalt.
Je deutlicher sich die Welt in Richtung Wahnsinn dreht, desto öfter denken manche Menschen nach. Und zwar nicht nur in einschlägigen Zirkeln...weiter