
"Der irre Weltall-Sprung" - so und ähnlich konnte man es am 15. Oktober in Boulevardblättern lesen. Einige Tage später hat Guido Tartarotti im "Kurier" einen "kleinen Hinweis an die Medien" veröffentlicht: "Die Stratosphäre ist nicht, ,das Weltall. Es sei denn, man zählt die Erdatmosphäre zum All. Dann ist aber auch ein Hopser von einem Sessel ,ein Todessprung aus dem All."
Stimmt auch nicht ganz! Dabei ist es heutzutage so einfach, den Dingen auf den Grund zu gehen. Ein Klick im Internetlexikon "Wikipedia", und schon weiß man, dass das Wort "Weltall" im 17. Jahrhundert erfunden worden ist - eine Eindeutschung von "Universum", zu lateinisch universus (= gesamt).
Weltall bedeutet also genauso wie Universum schlicht und einfach "alles": alle Sterne, alle Planeten und all das, was es dort oben sonst noch gibt. Natürlich gehört auch die Erde zum Weltall. So gesehen ist jeder Hopser auf der Erde ein Sprung im (!) All. Und auch die Stratosphäre ist ein Teil des Weltalls.
Volkstümlich wird "Weltall" auch synonym für "Weltraum" verwendet, das ist der Raum außerhalb der Erdatmosphäre oder der schwerelose Raum fern von Planeten und Monden. Unterstellen wir einmal, dass "Sprung aus dem Weltraum" gemeint war.
Stimmt ganz und gar nicht! Baumgartner sprang aus der Stratosphäre ab, aus einer Höhe von 39 Kilometern. Wo der Weltraum beginnt, ist strittig. Am gebräuchlichsten ist die Definition der "Fédération Aéronautique Internationale", wonach der Weltraum in einer Höhe von 100 Kilometern beginnt. Dort ist die Geschwindigkeit, die benötigt wird, um Auftrieb zum Fliegen zu erhalten, genauso hoch wie die Umlaufgeschwindigkeit eines Raumflugkörpers, der durch die Schwerkraft der Erde auf einer Kreisbahn gehalten wird. Aus Sicht der Nasa beginnt der Weltraum in einer Höhe von etwa 80 Kilometern.
Eine Boulevardzeitung hat erkannt, dass "Sprung aus dem All" nicht korrekt ist. Sie verwendet diese Phrase seit dem vergangenen Wochenende nur noch auf der Titelseite, zum Beispiel "Unser Mann aus dem Weltall", im Inneren des Blattes liest man, dass Baumgartner "vom Rand des Alls" durch die Schallmauer raste. Damit gibt sie "dem Dreck a Watschn", wie der Wiener sagt. Da das All, sprich das Universum, alles umfasst, was es gibt, auch unsere Erde, kann wohl nur der äußere Rand des Alls gemeint sein. Wo dieser Rand liegt und ob es überhaupt einen Rand gibt, darüber streiten die Wissenschafter.
Die Zeitung legt sich also auf die Endlichkeit des Weltalls fest und macht Baumgartner zum Helden eines Science-Fiction-Romans.
Wenn sie uns auch noch Informationen nachliefern könnte, welche Form das Universum hat, dann wäre ein weiteres Rätsel gelöst.
Manche meinen, es könnte rund wie ein Fußball sein, andere glauben, es sieht wie eine Trompete aus. Wenn man die Zeitungsmeldungen der letzten Tage Revue passieren lässt, hat man den Eindruck, das Weltall ist eine Getränkedose.
Sommertheater lässt sich als Phänomen entgegengesetzter Pole beschreiben: einerseits als Gipfeltreffen von Branchenstars und Hochkultur-Adabeis -...weiter