• vom 08.02.2013, 09:12 Uhr

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Der Ritter




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Von Christian Hoffmann

  • Wiener Journal

Wie sie wirklich waren, die alten Rittersleute, weiß natürlich keiner, auch wenn sie immer noch oft bierselig besungen werden oder schrecklich edel über Kinoleinwände reiten.

Christian Hoffmann

Christian Hoffmann Christian Hoffmann

Die Bilder, die von ihnen im Umlauf sind, sind ja meistens Idealvorstellungen, die im Zeitalter der Romantik entstanden sind, also gut vierhundert Jahre nachdem die letzten Ritter abgetreten sind, weil  sie zu lebenden Anachronismen geworden waren, komischen Figuren wie sie keiner besser verkörpert, als der schon längst sprichwörtlich gewordene Don Quijote.


Aber trotzdem: Da ist noch etwas geblieben, da gibt es noch etwas. Da gibt es den Widerschein eines geistigen Kampfes, der sich durch zahlreiche mittelalterliche Epen zieht, und in dem es sich letztlich um eine einzige Frage dreht: Wie kann man die rohe Gewalt, die der gepanzerte Krieger verkörpert, durch geistige Kräfte einigermaßen zügeln?

Wenn man an die Stelle der durch das Schwert verkörperten Gewalt militärische, wirtschaftliche und politische Macht setzt, dann bekommt die mittelalterliche Frage sogleich einen aktuellen Aspekt. Und der Ritter kann entweder in seiner Hilflosigkeit eine komische Figur sein, die bestenfalls in den Fasching passt, oder aber der Ausdruck eines unausrottbaren Anspruchs auf moralische Normen für den alltäglichen Umgang der Mächtigen mit ihrer Macht.

Artikel erschienen am 8. Februar 2013 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal"




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Dokument erstellt am 2013-02-05 19:23:02
Letzte ─nderung am 2013-02-07 17:07:01



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