• vom 16.08.2013, 16:43 Uhr

Glossen


Wahlkampf

Liebe in Zeiten des Wahlkampfs




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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Die ersten Wahlkampfplakate erscheinen. Bei manchen muss man allerdings zweimal hinschauen, damit man glaubt, was da steht.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Da steht’s. Groß und in roter Schrift. "Liebe deine Nächsten". Darüber "FPÖ".

Das ist neu. Um aber die Verwirrung im FPÖ-affinen Mitmenschen zu begrenzen, der sich angesichts eines derartigen Slogans auf dem Plakat wohl nun ängstlich fragen wird, ob er jetzt nichts mehr gegen die Ausländer, Türken, Grünen, Fahrradfahrer, Sozis, Künstler, Gutmenschen, Intellektuellen, Juden, Muslime, Kommunisten, Emanzen, Jugendlichen, Leser anderer Zeitungen als das Kleinformat, EU-Parlamentarier, Sozialschmarotzer, Asylanten und Besitzer größerer Autos als das eigene haben darf, also um diese tiefe Besorgnis im FPÖ-affinen Mitmenschen gleich abzuwenden, steht unter dem Gebot der Nächstenliebe auch gleich die Anleitung, wie dieser Satz zu verstehen ist: "Für mich sind das unsere Österreicher". Doch diese exklusive Auslegung hinterlässt den Betrachter nur noch verwirrter. Wer spricht hier? H.C. Strache? Herbert Kickl? Jesus?


Ohne das Subjekt des Satzes, also den Sprecher, zu kennen, führt auch der Begriff "unsere Österreicher" noch weiter in den Dschungel der grammatikalischen Unklarheiten. Irgendjemandem scheint eine Gruppe Österreicher zu gehören. Nur wer ist das? Und wie viele? Und wer sind dann die anderen Österreicher? Wenn es "unsere" gibt, muss es dann nicht logischerweise auch "eure", "seine", "ihre" oder "deren" Österreicher geben? Wie unterscheiden sich diese Gruppen? Was sind die Aufnahmekriterien? Muss ich da was ausfüllen? Oder bin ich da schon dabei, ohne es zu ahnen? Wenn ja: Wie komm ich da wieder raus?

Völlig verwirrt, aber hoffnungsfroh, doch irgendwo auf diesem Plakat die Antwort auf all diese Fragen zu finden, streift der Blick umher auf dem Plakat der FPÖ, von der man doch derartig theoretisch-theologisch-grammatikalische Spitzfindigkeiten bis jetzt nicht gewohnt war.

Da entdeckt man plötzlich H.C. Strache auf dem Plakat, der sich von einer alten Dame die Wange streicheln lässt. Oder haut sie ihm eine runter? Vielleicht glaubt sie ja, er hätte ihr Erspartes in einer Stiftung versenkt? Dabei macht solche Sachen niemand in der FPÖ.

Straches Lächeln wirkt jedenfalls irgendwie schmerzhaft.

Ein Plakat weiter allerdings bandelt er anscheinend mit einem sehr, sehr jungen Mädchen an. Aha, denkt
man sich, vielleicht ist das ein Druckfehler, und es soll "Liebe deine Nächste" heißen und H.C. Strache will uns mitteilen, was für ein großer Aufreißer er ist. Vor allem
in der Generation über 70 und
unter 15.

Wahrscheinlich ist das prophylaktisch gedacht, damit nicht eines Tages wiedermal posthum das Privatleben eines FPÖ-Chefs diskutiert werden muss.

Aber da! Rechts unten (klar, wo sonst?) steht es in einen Kreis geschrieben: Höchste Zeit für "Nächstenliebe". Und Nächstenliebe in Anführungszeichen.

Ach so, verstanden. Ist gar nicht so gemeint. War nur ein Scherz.

Auch interessant. Alle anderen Parteien versuchen so etwas wie Wahlkampf zu machen, nur die FPÖ plakatiert einen auf Schmäh. Andererseits muss man sie dann auch nicht wählen.




Schlagwörter

Wahlkampf, Plakat

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Dokument erstellt am 2013-08-16 16:47:02



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