• vom 11.03.2014, 17:07 Uhr

Glossen

Update: 12.03.2014, 14:17 Uhr

Sedlaczek am Mittwoch

In der Mahü stecken verborgene Botschaften




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Von Robert Sedlaczek

  • Abkürzungen dienen nicht nur der Verminderung des Schreib- und Sprechaufwandes, sie verschaffen auch ein Gefühl des Dazugehörens.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


"Warum sagen alle Mahü und nicht Mahi?" Mein Kollege Mathias Ziegler hat mir unlängst diese Frage gestellt. Ich habe den Eindruck, dass Mahü aus der Jugendsprache stammt und lange vor der Diskussion um die Verkehrsberuhigung im 6. und 7. Bezirk entstanden ist. Wer sich ein Treffen mittels Textnachricht ausmachen will, dem kommen Abkürzungen gerade recht. "Heute auf der Mahü?" Mahü hat 4, Mariahilfer Straße immerhin 18 Buchstaben samt Leerzeichen. Durch die Abkürzung kann der Schreibaufwand minimiert werden, Gleiches gilt für den Aufwand beim Sprechen. Das Streben nach Ökonomie spielt in der Kommunikation eine große Rolle.

Streng genommen handelt es sich bei Mahü um ein Silbenkurzwort, ähnlich wie Kripo für Kriminalpolizei. Aber warum nicht Mahi? Diese Abkürzung wäre ja naheliegend. Die Antwort ist: Das Kürzel wurde aus dem Wienerischen abgeleitet, nicht aus der österreichischen Standardsprache. Der Wiener sagt "Maria Hüf!" und nicht "Maria Hilf!" Der Konsonant l wird - wie der Sprachwissenschafter sagt - vokalisiert. Er rutscht in den vorausgehenden Vokal hinein und verändert diesen. Nach dem gleichen Prinzip wird Held so wie Höd ausgesprochen.


Da sich die Mundarten auf dem Rückzug befinden, was viele bedauern, weckt eine mundartliche Abkürzung Sympathie. Mahü klingt netter, vertrauter als Mahi. Mahü ist eine liebevolle Bezeichnung. Außerdem gilt: Wer derartige Abkürzungen verwendet, signalisiert damit ein Gefühl des Dazugehörens. Genauer betrachtet steht Mahü nicht nur für die Straße, sondern für die Verkehrsberuhigung in diesem Stadtviertel. "Bist du für die Mahü?" Wer mich so fragt, der will wissen, was ich von diesem Konzept halte.

Gut eingeführte Silbenkurzwörter, also solche, die von jedem verstanden werden, sind in den Medien beliebt. Jeder Journalist freut sich, wenn er zwischen einem Kurzwort und einer Vollform wählen kann. Durch die Variation wird ein Text lebendiger und abwechslungsreicher.

Wobei es zwei Schreibungen gibt: Mahü und MaHü. Die Tageszeitung "Österreich" hat lange vor der Abstimmung Partei bezogen. Am vergangenen Samstag bekannte sich Wolfgang Fellner in einem Leitartikel auch nachträglich dazu. Das Blatt habe im Sinne seiner überwiegend jungen Leser eine klar positive Linie für die Verkehrsberuhigung vertreten. Vermutlich hat die Zeitung aus diesem Grund konsequent die Schreibung MaHü verwendet. Der Großbuchstabe im Wortinnern soll dem verkehrspolitischen Vorhaben einen glitzernden Anstrich verleihen - nach dem Muster von CinemaScope, PayPal, YouTube und anderen Firmenbezeichnungen mit Binnenmajuskel.

Manche Journalisten setzen das Silbenkurzwort hingegen unter Anführungszeichen. Wer "Mahü" schreibt, will sich nicht nur von dieser Abkürzung, sondern auch von dem Verkehrskonzept distanzieren. Die Botschaft lautet: Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass ich dazugehöre!




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-03-11 17:11:03
Letzte nderung am 2014-03-12 14:17:06



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