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Seldlaczek am Mittwoch

Wenn sich der Aktienindex auf einen Rekordwert hinaufhantelt




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Von Robert Sedlaczek

  • Auf Facebook werden aussterbende Wörter aus der Standardsprache und aus den Mundarten gesucht - um sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über dieSprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amaltheaerschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über dieSprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amaltheaerschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über dieSprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amaltheaerschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


Regen Zulauf findet die Facebook-Gruppe "Rettet aussterbende Wörter". Dort werden Wörter der Standardsprache ausgestellt, die nur noch selten in Gebrauch sind. Da in der Gruppe neben Österreichern auch Deutsche und Schweizer posten, wird auf Dialektwörter bewusst verzichtet. Für diese gibt es eine eigene Gruppe mit stark wienerischem Einschlag.

"Regional gefärbte Ausdrücke lassen sich nicht immer klar von der ,Hochsprache‘ unterscheiden", heißt es in einem Leitfaden des Chefadministrators. "Vielleicht eine Faustregel als Hilfe: Wenn das Wort nur ausgesprochen werden kann, es aber keine eindeutige (in anerkannten Wörterbüchern zu findende) Schreibweise gibt, stellt es bitte ins Mundartforum!"


Das ist eine gute Richtschnur - wobei der Teufel im Detail steckt. Ich möchte dem Forum ein Wort vorschlagen, das von den meisten Wörterbuchmachern vergessen worden ist, das reflexive Verb "sich hanteln".

Dem Chefadministrator folgend habe ich es zunächst im "Österreichischen Wörterbuch" gesucht. Dort findet man "die Hantel", ein Sportgerät zum Krafttraining, und "hanteln" mit dem Beispielsatz "ich hantle mit Gewichten", aber darum geht es ja nicht. Gemeint ist: sich an einer Stange, einem Seil oder Ähnlichem fortbewegen, wobei abwechselnd die linke und die rechte Hand nach vorne greift. Auch im "Rechtschreib-Duden" und im "Großen Wörterbuch der deutschen Sprache" ist dieses Wort nicht zu finden. Für mich ist es hochsprachlich, darauf deuten auch die Ergebnisse meiner Recherche im Internet hin.

Ein einfacher Beispielsatz könnte so lauten: "Franz hantelt sich an einem Seil über die Schlucht." Aber ich habe auch übertragene Verwendungen gefunden, zum Beispiel im "Wirtschaftsblatt": "Junge Erwachsene müssen sich heute oft von einem Probe-Job zum anderen hanteln."

Das Wort existiert auch als Kompositum mit vorangestellter Präposition, zum Beispiel "hinüberhanteln" und "hinaufhanteln". Auch hier kann es übertragen gebraucht werden, wie ein Beleg zeigt: "Bis an die Marke von 3020 Punkte konnte sich der ATX hinaufhanteln."

Im Internet taucht das Wort häufig in Postings von Kletterern auf. "Seit 2009 bietet der Klettersteig ,Kupfergeist‘ Gelegenheit, sein eigenes Können unter Beweis zu stellen. Im Schwierigkeitsgrad D/E muss man sich die nach oben hin leicht überhängende Plattenzone am Stahlseil hinaufhanteln."

Außerdem existiert es auch in einer Abwärtsversion: "Im hinteren Teil der Laguna musste man sich an einem Seil über die etwas rutschigen Steine hinunterhanteln." Auch hier konnte ich eine übertragene Verwendungen finden, und zwar in einem Dialog unter Computerexperten: "Ist es möglich, mit Netinstall 5.0e die IP-Adresse eines Client auszulesen?" - "Im Prinzip ja, man muss sich über zwei bis drei Registry-Keys hinunterhanteln."

Ich vermute, dass das Verb "sich hanteln" aus dem Fachjargon der Kletterer stammt und von dort verallgemeinert wurde. Nach langem Herumsuchen finde ich es in Ludwig Zehetners Lexikon "Bairisches Deutsch", es ist also nicht nur in Österreich, sondern auch in Bayern in Gebrauch. Ob es vom Aussterben bedroht ist? Wenn wir es verwenden, dann wohl nicht.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-08-19 16:17:06
Letzte ─nderung am 2014-08-20 10:08:07



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