• vom 16.12.2014, 17:34 Uhr

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Update: 17.12.2014, 10:12 Uhr

Sedlaczek am Mittwoch

Wirken Menschen, die in Dialekt sprechen, oft etwas komisch?




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Von Robert Sedlaczek

  • Ein Linzer Meinungsforschungsinstitut hat eine landesweite Umfrage durchgeführt, um den Linzer Klaus Albrecht Schröder zu widerlegen.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


"Der Kärntner Dialekt gilt als die symphatischste Mundart Österreichs." Mit diesem Ergebnis kam das Marktforschungsinstitut Imas letzte Woche in alle Medien. Befragt wurden 1020 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren.

Das Ergebnis hat mich nicht überrascht. Viele lieben das Kärntnerische wegen seiner Verkleinerungsendungen. "Diandle" zum Beispiel ist eine wohlklingende Bezeichnung für ein Mädchen, und die Wendung "lai loosn" (= nur lassen)" beinhaltet ein faszinierendes Motto: Nur nicht aufregen, nur nicht anstrengen! Hier treten zwei charakteristische Merkmale gemeinsam auf: Das Wort "lai" (= nur, eben) und die Kärntner Dehnung: hoffen wird zu "hoofn", machen wird zu "moochn", gewiss zu "gwiis", Wasser zu "Woosa" und fischen zu "fiischn". Ich entnehme dies dem "Kleinen Kärntner Wörterbuch" (Verlag Heyn) von Heinz-Dieter Pohl, das jeder Liebhaber des Kärntnerischen besitzen sollte.


Wien liegt im Mittelfeld der Beliebtheitsskala, was wohl damit zu tun hat, dass die Wiener ihren eigenen Dialekt nicht so hoch bewerten wie die Kärntner oder die Tiroler den ihrigen. Außerdem gilt Wien als "Wasserkopf".

Rückschlüsse auf die Einstellungen in einzelnen Bundesländern sind auch aus einem anderen Grund spekulativ. Die Umfrage ist zwar für Österreich repräsentativ, nicht aber für einzelne Bundesländer. Ein Rechenbeispiel: In Vorarlberg leben rund 5 Prozent der Österreicher, legt man diese Zahl auf die Befragten um, dann haben rund 50 Vorarlberger ihre Meinung abgegeben. Außerdem gehören sie zum alemannischen Dialektraum, nicht zum bairisch-österreichischen, sie nehmen eine Sonderstellung ein.

Zuverlässig sind nur die landesweiten Ergebnisse. Abgetestet wurde die Aussage "Der Dialekt ist für unsere Kultur besonders wichtig und gehört gepflegt". 52 Prozent waren damit "voll und ganz einverstanden", 36 Prozent "einigermaßen". Das sind zusammengerechnet rund neun von zehn Österreichern. Der Rest antwortete mit "eher nicht" oder "überhaupt nicht".

Ganz ähnlich war das Ergebnis auf die Aussage "Ideal wäre es, wenn man neben den Dialekt auch einigermaßen Hochdeutsch sprechen kann."

Das Ergebnis zur Aussage "Menschen, die in einem starken Dialekt sprechen, wirken oft etwas komisch" kommentiert Imas so: "Im Gegensatz zu manch Intellektuellen, die in den letzten Monaten mit dem Versuch, den Dialekt zu diskreditieren, Aufsehen erregten, empfinden knapp drei Fünftel der Österreicher nicht einmal einen Menschen mit einem wirklich starken Dialekt als komisch." Im Detail: 14 Prozent empfinden einen Österreicher mit starkem Dialekt als sehr seltsam, 28 Prozent als einigermaßen, 32 Prozent eher nicht und 26 Prozent überhaupt nicht.

Gemeint ist der Linzer Klaus Albrecht Schröder. Im deutschen Fernsehen hatte der Albertina-Chef erzählt, dass er sich die Mundart abtrainiert habe, um in der Wiener Kunstgeschichteszene akzeptiert zu werden. Das also war dem Linzer Institut eine Umfrage wert. Das Ergebnis: 42 Prozent für Schröder, 58 Prozent gegen ihn. Klaus Albrecht Schröder wird sich bestätigt fühlen, seine Kritiker auch.

Details unter www.imas.at




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-12-16 17:38:03
Letzte ─nderung am 2014-12-17 10:12:12



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