• vom 06.01.2015, 15:45 Uhr

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Schon die Pharaonen nützten Netze als Machtsymbol




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Erstmals liegt eine Kulturgeschichte vor, in der die Vielfalt von Netzwerken beschrieben wird. Facebook und Twitter werden ausgespart.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka. Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Unlängst ist im Berliner Kulturverlag Kadmos ein voluminöses Buch mit dem Titel "Die Verbundenheit der Dinge" erschienen. Die Dissertation von Sebastian Gießmann trägt den Untertitel "Eine Kulturgeschichte der Netze und Netzwerke" und besticht durch eine Fülle historischer Details.

Schon ägyptische Pharaonen ließen ihre Verfügungsgewalt über unterlegene Feinde durch Darstellungen symbolisieren, in denen die Gegner in übergroßen Fischernetzen gefangen sind. Einige Pharaonen wurden als listige Vogelfänger dargestellt, die in Riten das Zeichen zum Zuziehen des Fangnetzes geben.

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Die ersten materiellen Netzwerke waren Straßen und Kanäle, später die Post, die Eisenbahn, der Telegraph und das Telefon. Kurz, nachdem Gießmann die Arbeit an seiner Dissertation beendet hatte, nahm die Netzwerkgeschichte durch die mutigen Enthüllungen Edward Snowdens eine neue Wendung. "Mit den Echtzeit-Netzwerkanalysen der Geheimdienste kehrt der hegemoniale Anspruch der alten Fang- und Haltenetze in neuer Form wieder", schreibt Gießmann. "Die langfristigen Auswirkungen der Dauerüberwachung vernetzter Kommunikation durch NSA, GCHQ & Co. auf demokratische Grundwerte und Menschenrechte sind noch unabsehbar, obwohl das Schlimmste zu befürchten ist."

Durch mein reduziertes Verständnis für technische Themen habe ich manche Kapitel übersprungen - und eine ausführliche Behandlung jener Netzwerke vermisst, die nicht direkt auf einem materiellen Netz basieren. Gießmann analysiert immerhin den Versuch des kommunistischen Publizisten Georges Baehler - meist verwendete er das Pseudonym Pollux -, die Verflechtungen des ökonomischen Systems der Schweiz in den 1940er Jahren zu kartieren, und behandelt am Beispiel des Films "Die drei Tage des Condor" das Thema Geheimdienstnetzwerke.

In der Umgangssprache bezeichnen wir bestimmte Menschen als "Netzwerker". Es handelt sich laut Duden "um eine Gruppe von Menschen, die durch gemeinsame Ansichten, Interessen oder Ähnlichem miteinander verbunden sind".

Wenn sich Menschen mit gleicher Interessenslage zusammentun, so wird das nicht immer positiv gesehen. Wir reden dann nicht von "Networking" oder "Netzwerken", sondern von "Freunderlwirtschaft" - in Deutschland "Vetternwirtschaft". Als "Kölner Klüngel" oder nur "Klüngel" wird ein System auf Gegenseitigkeit beruhender Gefälligkeiten bezeichnet. Wenn allerdings Politiker und Unternehmer in nicht-öffentlichen Beziehungsgeflechten verdeckt zusammenwirken, kann es leicht zu Auftragsvergaben kommen, die durch mangelhafte Transparenz, wenn nicht gar durch Korruption gekennzeichnet sind. Laut Wikipedia ist "Klüngel" im Kölner Raum in der Alltagskommunikation auch positiv besetzt. Man meint "eine Hand wäscht die andere" - und das müsse nicht unbedingt negativ gesehen werden.

Und weil es so gut passt: Letzte Woche bekam ich eine Einladung zu einem internationalen Symposium für die japanische Kompo-Medizin. Die Organisatoren standen vor dem Problem, wie sie die Abendveranstaltung den ausländischen Gästen ankündigen sollen. Sie wählten folgende Formulierung: "Im Anschluss Networking Event (= Heuriger)."




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Dokument erstellt am 2015-01-06 15:50:06



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