• vom 23.03.2015, 17:55 Uhr

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Update: 24.03.2015, 09:23 Uhr

Sprachschtze

Schwerter, Sporen, Pfähle




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Von Hilde Weiss

  • Pflanzen sind ein gutes Beispiel, auf welch unterschiedliche Art man zu Namen kommen kann - und dafür, dass das nicht immer leicht ist.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Am häufigsten wird alles Grünende und Blühende nach dem Aussehen benannt: So kommt die Tulpe, "die Turbanartige", vom türkischen Wort tülbent für Turban. Rittersporn erinnert an Reitersporen. Die Gladiole kommt, wie auch die Gladiatoren, vom lateinischen Wort gladius für Schwert. Die Lilie geht auf das lateinische Wort lilium für Lilie und Fallgrube mit spitzen Pfählen zurück. Und die Nelke ist "die Nagelartige", benannt nach den Gewürznelken, "den Nägelchen", und diese nach ihrer Ähnlichkeit mit alten, handgefertigten Nägeln.

Die Aster ist "die Sternblume" (griechisch astér, Stern). Die Orchidee kommt, bezogen auf die Form der Wurzelknollen, vom griechischen Wort órchis für Hoden. Iris heißt im Griechischen Regenbogen und (wegen der Farbenvielfalt) Schwertlilie. Die Chrysantheme ist - eng verwandt mit der Anthologie, "der Blütenlese" - "die Goldblume" (von den griechischen Wörtern chrysós für Gold und ánthemon für Blume). Rhododendron heißt "Rosenbaum", vom griechischen Wort rhódon für Rose, auf das auch unser Wort Rose zurückgeht - von welcher Vorstellung, von welchem Vergleich die Bezeichnung ausgeht, ist nicht bekannt.

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Viele Pflanzen sind nach Botanikern benannt: Die Dieffenbachie geht auf den österreichischen Botaniker Josef Dieffenbach zurück, die Fuchsie auf den deutschen Botaniker Leonhart Fuchs, die Gloxinie auf den Straßburger Arzt und Botaniker Benjamin Peter Gloxin und die Kamelie auf den Brünner Jesuiten, Botaniker und Arzt Georg Joseph Kámel.

Hyákinthos war laut Mythologie ein außergewöhnlich schöner Mann,
zu dessen Geliebten Apollon zählte, von dem er beim Diskuswerfen getötet wurde: Bis heute soll aus seinem Blut die Hyazinthe wachsen. Auch Nárkissos wird als außerordentlich schöner Mann beschrieben, nur dass sein Name an das griechische Wort nárke für Lähmung, Erstarrung angeglichen wurde, interpretiert als "der Betäubte" und "der Betäubende".

Amaryllis ist in der antiken Litera-tur eine Hirtin, deren Name auf das griechische Verb amaryssein für schimmern zurückgeht. Das Johanniskraut heißt nach Johannes dem Täufer, dessen Blut in die Blüten geflossen sein soll. Und der Enzian ist nach dem sagenumwobenen illyrischen König Gentium benannt, der seine Heilkräfte entdeckt haben soll.

Káktos ist im Griechischen ein Wort für stachlige Pflanze. Azaléos (Azalee) heißt trocken, dürr, "wasserlos". Kamille heißt "Apfel der Erde" (griechisch chamaímelon) und Melisse heißt "Bienenkraut" (vom griechischen Wort mélissa für Biene, "Honigtier"). Beim Salbei hat man es mit dem lateinischen Wort salvus für gesund, wohl, heil zu tun. Und Lavendel ist "der zum Waschen" (vom lateinischen Verb lavare für waschen).

Die Gundelrebe dürfte, entspre-chend der lateinischen Bezeichnung Hedera terrestris, auf ein altes Wort für "Grundrebe" zurückgehen, das - als es nicht mehr verstanden wurde - mit dem alten Namen Gunderam (Guntram) in Verbindung gebracht wurde. Und Erika, egal ob als Vor- oder Pflanzenname, führt zum griechischen Wort ereíke für Heidekraut.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-03-23 17:59:03
Letzte nderung am 2015-03-24 09:23:18



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