• vom 28.04.2015, 16:08 Uhr

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Seldlaczek am Mittwoch

"Shit! In 30 Sekunden 89 Euro gewonnen!"




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Neuerdings werden im Fernsehen hochspekulative Finanzgeschäfte beworben. Zielgruppe ist ein junges Publikum.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über dieSprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amaltheaerschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über dieSprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amaltheaerschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über dieSprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amaltheaerschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


"Die geheimen Verführer" war Ende der 1950er Jahre der Titel eines erfolgreichen Sachbuchs zum Thema Werbung. Autor war der US-amerikanischen Konsumkritiker Vance Packard, ein derart geschickter Formulierer, dass wir ihn noch heute gern zitieren, wenn wir Methoden der Werbung anprangern.

An den Slogan "Die geheimen Verführer" habe ich gedacht, als ich im Werbefernsehen eines Privatsenders die immer wiederkehrenden Schaltungen der Internetplattform BDSwiss sah.


In einem dieser professionell gemachten Spots taucht ein junges, aufgewecktes Bürscherl auf, es könnte ein Student sein. Aus dem Off fragt ihn eine Stimme mit Schweizer Akzent: "Kann man mit BDSwiss wirklich Geld verdienen?"

Der Angesprochene reagiert keck: "Willst du mich verarschen? Ja,

klar kann man mit BDSwiss Geld verdienen! Ist setze auf News. Nachrichten bewegen die Welt. Wenn der Goldpreis steigt, fällt der DAX. Und da weiß ich einfach, was bei BDSwiss zu tun ist." In diesem Moment erhält er ein Mail. Am Display erscheint die Zahl 89. "Shit! In 30 Sekunden 89 Euro gewonnen!" Strahlend hält er das Handy in die Kamera. Darauf der Schweizer im Befehlston: "BDSwiss.com - jetzt Geld verdienen!"

In einem anderen Spot lobt eine junge, aufgeweckte Hotel-Rezeptionistin die Dienste von BDSwiss. "Das ist eine total geile Plattform. Ich nutze sie privat, um mich zu entspannen. Aber wir Frauen interessieren uns auch für Finanzen und für die Wirtschaft. Und wenn man sich da so ein bisschen einliest und ne Strategie hat . . . Klar kann ich viel Geld verdienen!" Am Handy erscheint eine Zahl. Die junge

Frau war nicht ganz so erfolgreich wie der Bursche. "52 Euro in nur

60 Sekunden!"

Was an der Plattform schweizerisch ist, konnte ich nicht herausfinden. Auf der Website steht, dass BDSwiss auf Zypern angesiedelt ist, wie eine Reihe anderer derartiger Plattformen. BDSwiss wird durch die "Cyprus Securities and Exchange Comission" kontrolliert, eine deutsche Adresse gibt es auch, und zwar in Frankfurt - allerdings "nur für postalische Zuschriften".

Kernstück des BDSwiss-Angebots sind binäre Optionen. Auf der Website wird es so erklärt: "Diese bieten die Möglichkeit, Trading auf zwei einfache Faktoren zu reduzieren, steigender oder fallender Kurs, schwarz oder weiß, ja oder nein, Gewinn oder Verlust, ganz einfach, oder?" Das nachgestellte "oder?" ist auch eine Schweizer Ausdrucks-

weise.

Einer meiner Freunde ist Trader in einer großen Bank. Er hält das, was BDSwiss auf der Plattform anbietet, für hochspekulativ und erklärt es mir so: Es ist eine Art Wette, dass ein Basiswert, also eine Aktie, ein Index, eine Währung oder ein Rohstoff, zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Wert über- beziehungsweise unterschreitet. Tut er das, winkt ein vorher festgesetzter Gewinn, tut er das nicht, ist der gesamte Einsatz verloren. Es gibt also auch jede Menge Verlierer. Problematisch ist die Ausrichtung auf die Zielgruppe der Jugendlichen. Ihnen wird vorgegaukelt, dass sie sich nur in die

von BDSwiss bereitgestellten Unterlagen "ein bisschen einlesen müssen", und schon sind sie erfolgreiche Broker. Schöne neue Werbewelt.




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Dokument erstellt am 2015-04-28 16:11:05



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