• vom 23.11.2015, 15:58 Uhr

Glossen

Update: 25.11.2015, 12:14 Uhr

Sprachschätze

Folgenreiche Wortlawine




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Von Hilde Weiss

  • Sprachschätze
  • Schäbig, schlecht, bescheiden: Freiheraus loszuschimpfen, kann entlastend wirken, hat man Klarheit über das richtige Vokabular.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Den passenden Ausdruck zu finden, wenn es einmal nicht so gut läuft, ist keineswegs immer leicht. Schlimm zum Beispiel heißt, vom althochdeutschen Wort slimb, "schief" (schräg) - Richtung Abgrund. Schlecht, "schlicht", kommt vom germanischen Adjektiv slihta für eben, geglättet, das zuerst einfach bedeutete, schlicht, was auch die Redensart schlecht und recht erklärt, "schlicht und recht". Und böse, bösartig kommt vom vordeutschen Begriff bausja für gering, schlecht.

Beim Miesen hat man es mit dem hebräischen Wort me’is für schlecht, widerlich, verachtet zu tun. Miserabel - vom lateinischen Wort miser für elend, erbärmlich, beklagenswert. Dürftig, notdürftig, kommt von der ursprünglichen Bedeutung des Dürfens als brauchen, bedürfen, nötig haben. Und ärgerlich, "argerlich", ist die Steigerung des Argen. Abgeschmackt, das erklärt sich aus dem alten Verb abschmecken für widrig schmecken. Garstig geht auf das mittelhochdeutsche Adjektiv garst für ranzig, verdorben und das althochdeutsche Wort gersti für Hass, Groll zurück.

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Und kümmerlich, verkümmert, vom vorromanischen Wort comberos, "das Zusammengetragene", bedeutete ursprünglich belastet, beschwert, voll Schutt.

Dilettantisch, "delektierend", das kommt vom italienischen Verb dilettare für amüsieren, erfreuen und vom lateinischen Verb delectare für delektieren, angenehm beschäftigen. Amateurhaft, "liebhaberisch", vom lateinischen Verb amare für lieben, gern tun. Ordinär bedeutete ursprünglich ordentlich, in Ordnung - vom lateinischen Wort ordo für Reihenfolge, Fadenreihe (des Gewebes). Erst die Vergleiche mit dem Außerordentlichen haben es unfein gemacht, billig.

Vulgär - von den lateinischen Wörtern vulgus für Volk und vulgaris für gemein, allgemein. Gemein, das bedeutete ursprünglich - von der indoeuropäischen Wurzel mei- für tauschen, abwechseln - "gemeinsam", erhalten im Allgemeinen: Was alle gemeinsam haben, kann nicht viel wert sein, so die Überzeugung.

Und blöd bedeutete ursprünglich, eng verwandt mit der Blöße, schwach, scheu, zart, gebrechlich. Idiotisch - vom griechischen Wort idiótes für Nichtfachmann, Laie, das zum Nichtskönner verschlechtert, "verschlichtert", wurde und zum Schwachsinnigen.

Noch weniger empfehlenswert: Stümperhaft heißt verstümmelt, "stumpfhaft". Oft verbindet man sich wegen Kleinigkeiten mit ziemlich heftigen Gefühlen - hässlich, "hasslich", vom germanischen Adjektiv hateslika für hasserregend, verhasst.

Grässlich - vom althochdeutschen Adjektiv grazzo für wütend, zornig. Scheußlich, "abscheulich" - vom mittelhochdeutschen Verb schiuzen für Abscheu empfinden, das vom Scheuen kommt, eng verwandt mit dem Scheusal, "vor dem man zurückscheut", mit dem Scheuchen, "dem Scheumachen", und dem Einschüchtern, "dem Verscheuchen". Schäbig, "abgeschabt", das kommt vom Schaben und vom alten Begriff Schabe für Krätze. Niederträchtig heißt "nieder betragend". Lausig - voller Läuse, verlaust. Grausig - vom althochdeutschen Verb gruen für schaudern, eng verwandt mit dem Gräuel und dem Vergraulen: grausam, grauenhaft, gruselig - eine Familie. Kurz: Beschissen, "ausgeschieden" - von der Wurzel skei- für spalten, trennen, scheiden.




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Dokument erstellt am 2015-11-23 16:02:06
Letzte ńnderung am 2015-11-25 12:14:13



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