• vom 22.04.2016, 17:30 Uhr

Glossen

Update: 22.04.2016, 18:57 Uhr

Glossenhauer

Sechs lange Jahre




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Von Severin Groebner

  • In den Medien haben wir zuletzt gesehen, was ein möglicher Präsident dieses Landes alles können muss. Und das ist noch lange nicht alles.

Bundespräsidentschaftskandidat(in) ist ein harter Job. Da muss man es schaffen, "Ja"- oder "Nein"-Taferln hochzuhalten (ATV), Witze zu erzählen (Puls 4) und in der Lage sein, Hymnen zu erraten (ORF-Wahlfahrten). Das war aber natürlich erst der Anfang. Denn ab Sonntagabend wissen wir, welche zwei Personen in die Stichwahl kommen, und dann werden diese medial verbreiteten, extrem fachspezifischen Auswahlverfahren noch viel härter.

Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair.

Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair. Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair.

Wir werden zwei Menschen sehen, die sich im Jonglieren, Eisstockschießen und Pole-Dancing gegeneinander beweisen müssen (ATV), später Besuch zuhause bekommen und hochpolitische Fragen wie "Welche Unterwäsche trägt man als Kandidat?" beantworten müssen (Puls 4), um anschließend vier unterschiedliche Gesteinssorten der Alpen am Geschmack zu erkennen (ORF).

Da werden die Konkurrenzmedien natürlich nicht lange tatenlos zusehen und ihre ganz eigenen Kandidatentests entwickeln. Das Migrantenmagazin "Biber" lässt die beiden verbliebenen Bewerber mit Kopftuch durch Schloss Schönbrunn flanieren, der"Falter" schickt sie auf dem E-Bike über die Südosttangente, und für die "NÖN" müssen sie ein Gasthaus mit zumindest einem vegetarischen Gericht im Waldviertel finden. Die "Vorarlberger Nachrichten" dagegen testen die Fremdsprachenkenntnisse der möglichen Präsidenten und lassen sie ein fünfminütiges Gespräch mit einem Bauern aus dem Bregenzerwald führen, bei dem aber die Fragen "Wie bitte?", "Könnten Sie das wiederholen?" und "Sprechen Sie auch Deutsch?" verboten sind.

Das Gaumen&Gourmand-Zentralorgan "Falstaff" schickt sie auf einen 24-stündigen Heurigen-Besuch, da, wer nicht saufen kann, in diesem Land noch nie etwas geworden ist.

Anschließend gibt es die Fangfrage "Welches ist das schönste Bundesland?" gleichzeitig gestellt von Antenne Salzburg, Antenne Oberösterreich, Antenne Steiermark, Antenne Tirol, Antenne Burgenland, Antenne Wien, Antenne Niederösterreich, Antenne Vorarlberg und Antenne Kärnten.

Servus TV möchte wissen: "Wie viele Getränkedosen dieses beliebten Energydrinks kann der Kandidat auf einmal stemmen?" Und "Österreich" erforscht: "Geil in die Hofburg: So wollen die Kandidaten Österreich sexy machen!" Die "Krone" schließlich stellt die Frage: "Kennen Sie eine Abkürzung für ‚Abkürzung‘ mit 3 Buchstaben?"

Das "Profil" dagegen nimmt die Kandidaten gewohnt hart ran: "Welcher Zusatz zur Bundeshymne fände eher Ihre Zustimmung? Entweder ‚Heimat schöner Bundesländer / und auch schwullesbitransgender‘ oder ‚Wir tun hier nur Schnitzel panieren / der Flüchtling darf am Zaun krepieren‘?" Nur Stermann & Grissemann bleiben in "Willkommen Österreich" betont subjektiv und stellen sich die Gretchenfrage: "Welchen von den beiden können wir wenigstens ansatzweise nachmachen?"

Dann ist die Wahl. Und danach geht es für den Sieger erst richtig los: Hände schütteln, Polen, Putin oder Pröll besuchen, Angelobung des achten ÖVP-Vizekanzlers in vier Jahren in drei verschiedenen Regierungen, Kegeln, Grillen, Schnaps trinken, Hände schütteln und und und . . . und das sechs Jahre lang.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-04-22 17:35:11
Letzte ─nderung am 2016-04-22 18:57:27



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