• vom 07.05.2016, 17:00 Uhr

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Mario Rausch

Metropole Palmyra




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Von Mario Rausch


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    Mario Rausch, geboren 1970, lebt als freier Publizist in Klagenfurt und Wien.

    Bis vor einem Jahr kannten nur Syrienreisende oder Archäologen den Baal-Shamin- und den Baal-Tempel, die Grabtürme und den Triumphbogen der Kolonnaden-Allee von Palmyra. Erst die Vandalenakte der IS-Terroristen an diesen Kulturdenkmälern haben im vergangenen Sommer die Welt schockiert und die Wüstenstadt im Herzen des zerfallenden Staates auch jenen bekannt gemacht, die nicht das Glück hatten, sie in Friedenszeiten bewundern zu können.

    Der Reichtum und der Einfluss Palmyras gründeten auf seiner geografischen Lage an der Grenze mächtiger Reiche und am Ausgangspunkt von Karawanenwegen, die bis nach Indien und China führten. Die große Zeit der Stadt begann erst, als die Weltmacht Rom sich auch dieses Teiles der antiken Welt bemächtigte.

    Die uralten Traditionen verbunden mit der Randlage der Ansiedlung führten dazu, dass Palmyra einen Sonderstatus innerhalb des römischen Staatsapparates einnahm: Die Metropole besaß einen eigenen Senat, der für öffentliche Arbeiten und die lokale Miliz zuständig war und ein unabhängiges Steuersystem. Gleichzeitig war Palmyra eine multikulturelle Stadt, in der Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der alten Welt zusammenkamen, Handel trieben, sich niederließen oder wieder weiterzogen.

    Alle Exportschlager der alten Welt waren in der Wüstenstadt zu haben: Trauben und Olivenöl aus Spanien, Wein aus Rhodos oder exotische Gewürze aus Indien und natürlich die kostbare Seide aus China. Mit all diesen Waren ließen sich gute Geschäfte machen und die Zollabgaben taten ein Übriges, um den Reichtum der vornehmen Palmyrener zu steigern.

    Und diese gaben ihr Vermögen auch großzügig aus, indem sie ihre Stadt mit prächtigen Repräsentationsbauten schmückten. Dabei war Rom das große Vorbild für die eigenen architektonischen Entwürfe. Rückgrat der Wüstenme-tropole war die prächtige Säulenallee mit Torbogen, Seitenstraßen und öffentlichen Prunkbauten. Palmyra erlebte im 2. Jahrhundert n. Chr. einen Bauboom, der viele Jahrzehnte anhielt und die Oase in ein luxuriöses zweites Rom mitten in der Wüste verwandelte.

    Politisch allerdings hatte die Loyalität zu Rom ihre Grenzen: im 3. Jahrhundert war es die legendäre Königin Zenobia, die der römischen Weltmacht die Stirn bot und ein eigenes Großreich im Nahen und Mittleren Osten errichtete. Doch das Imperium schlug zurück. Im Jahr 272 zog Kaiser Aurelian siegreich gegen Palmyra und führte Zenobia schließlich als Gefangene nach Rom. Ihre Heimat aber wurde nach einem Aufstand von den Truppen Roms zerstört und sollte nie wieder ihre einstige Bedeutung erlangen.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2016-05-06 13:44:03
    Letzte ─nderung am 2016-05-06 14:56:51



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