• vom 01.09.2016, 15:52 Uhr

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Kunstsinnig

Unsere Werte sind nicht verhandelbar (aber situationselastisch)




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Mit ein bisschen gutem Willen wird sogar die Burka zum emanzipatorischen Reformkleid. (Nein, doch nicht.)



Da hab ich offenbar was gründlich missverstanden. Burkini-Trägerinnen wären passiv aggressive Glaubenskriegerinnen, die mit ihrer perfiden Guerillataktik (Schwimmen in "ortsunüblicher Badebekleidung") versuchen würden, an den Stränden der EU die Scharia einzuführen, hab ich gedacht. Aber nachdem jetzt ausgerechnet Menschenrechtsgruppen und nicht etwa die Taliban oder der IS sich so vehement für die züchtige Verhüllung von badenden Frauen einsetzen und deswegen sogar das oberste Verwaltungsgericht in Paris angerufen haben und dieses das Burkini-Verbot in zumindest einem französischen Badeort tatsächlich gekippt hat, ist mir klar geworden: Das sind Freiheitskämpferinnen.

In einer "ortsüblichen Badebekleidung" könnte eine strenggläubige Muslimin jedenfalls nicht schwimmen gehen. Das würde entweder ihr Mann nicht zulassen oder ein anderer Mann (Mohammed). Weil die weiblichen Arme und Beine sind auch obszöne Körperteile. (Ähm, verfügt die männliche Anatomie nicht ebenfalls über so was?) Okay, würde ich mich so einpacken, wäre das natürlich reaktionär. Immerhin haben Generationen von Feministinnen für mich inzwischen den Bikini erstritten. (Und mein Hautkrebsrisiko erhöht. Danke!) Österreich ist eben ein Multiversum. Und im Paralleluniversum mit den Burkinis lebt man halt noch im Mittelalter. Dort schreiben sie das Jahr 1437. Liegt das an dieser ominösen Zeitverschiebung? Und würden Musliminnen einen Jetlag kriegen, wenn sie einen Bikini anziehen würden? Nein. Höchstens einen Sonnenbrand. Am 15. Jahrhundert ist der islamische Kalender schuld. Was passiert eigentlich, wenn eine Frau im Bikini und eine im Burkini nebeneinander aufs Meer rausschwimmen? Sie werden irgendwo in der Unendlichkeit zusammenstoßen. Oder bin ich bloß auf einen Mathematikerwitz reingefallen? (Kennen Sie den? Treffen sich zwei parallele Geraden im Unendlichen.)

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He, könnte die Burka ein emanzipatorisches Reformkleid sein? Weil ohne bekämen die betroffenen Frauen ja keinen Ausgang. Das Textilgefängnis ist eine Hafterleichterung. Dabei müssten sie sich bei uns eh nicht voll verschleiern. Eine Sonnenbrille tät reichen. Schließlich schauen österreichische Männer einer Frau als Erstes "in die Augen". (Ach, und erst nachher überall sonst hin?) Der Nikab, dieser Gesichtsvorhang, der nur einen Sehschlitz frei lässt, ist womöglich das sexyeste Outfit überhaupt. Vielleicht könnte man ihn wenigstens aus einem atmungsaktiveren Stoff herstellen. (Luftlöcher reinmachen?)

Apropos atmen. Muslimische Grundwehrdiener müssen sich den Bart nimmer abrasieren. Obwohl sie dann keine Gasmaske aufsetzen können. "Na, da wer’n sie viel Spaß bei der Übung mit’n Tränengas ham." (Der Heinz war beim Bundesheer.) Tja, aber andernfalls müssten sie zwangsläufig Zivildiener werden. Und um doch noch Dienst mit der Waffe leisten zu können, wären sie praktisch gezwungen, sich in irgendeinem Terrorcamp anzumelden, wo man aus ihnen garantiert kein Babyface macht. Also besser Burkinis im Gänsehäufel als gar keine Integration. (Und die Lehrerinnen sollen bitte endlich einen Wertekurs absolvieren, damit sie aufhören, konservativmuslimische Väter am Elternsprechtag sexuell zu belästigen, indem sie ihnen die Hand entgegenstrecken.)




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Dokument erstellt am 2016-09-01 15:56:04



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