• vom 28.09.2016, 16:38 Uhr

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Wie geht Wellness auf Wienerisch?




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Das Wienerische lebt: Es lässt breiten Raum für Wortschöpfungen - wie eine Umfrage von ORF Wien bewiesen hat.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka. Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Versuchen Sie, diesen Satz ins Wienerische zu übersetzen und vermeiden Sie Anglizismen: "Hey, sorry, konnte vorher nicht ans Smartphone gehen, war in einem Boardmeeting mit dem Management und das kann ich nicht canceln. Wie schaut’s aus mit unserem Whirlpool-Wellnessurlaub?"

Mit dieser Aufgabe hat mich vor zwei Tagen "Radio Wien" konfrontiert - in einem morgendlichen Telefoninterview. Mein Übersetzungsvorschlag hat gelautet: "Heast, des duad ma laad. I hob ned ohebm kenna. I bin umanondgsessn mid de Machatscheks von da Firma. Des kon i ned osogn. Wia schauts aus mid unsan Urlaub in an Wönesshodö mid an leiwandn Wörlpool?"

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Zugegeben, das ist in mancher Hinsicht eine recht freie Übersetzung. Und der ORF-Moderator fragte sofort nach, warum ich Smartphone, Wellnesshotel und Whirlpool nicht ins Wienerische übertragen habe.

Die Wendung "ich konnte nicht ans Smartphone gehen" habe ich mit "ich konnte nicht abheben" umschrieben. So reden wir ja nach wie vor - obwohl wir ein Handy benützen und nicht einen Telefonhörer von der Gabel heben. In gleicher Weise sagen wir "er hat aufgelegt". Oder noch altmodischer: "Er hat eingehängt" - das erinnert an die öffentlichen Telefonzellen.

Ich finde, es lohnt sich nicht, alle Anglizismen krampfhaft einzudeutschen. Wer statt Airbag das Wort Prallkissen gebraucht, wie einige Sprachpfleger in Deutschland vorschlagen, der macht sich lächerlich. Mich erinnert das an einen jüdischen Witz, den Friedrich Torberg gern erzählt hat. Sitzt ein Gast im Tonello, ein Lokal, das nicht weit entfernt vom Restaurant des Gustav Neugröschl liegt, und wartet auf das bestellte Scholet, einen deftigen Eintopf mit Bohnen. Schließlich eilt der Kellner herbei und bedauert, dass das Scholet noch ein wenig auf sich warten lässt. Darauf der Gast: "Was? Noch immer kein Scholet? Bei Neugröschl prallen sie schon."

Das zum Thema Prallkissen. Aber im Wienerischen gibt es einige gelungene Neuschöpfungen. Mir gefällt der Ausdruck Guckidrucki für Digitalkamera, den ich in meinem "Wörterbuch des Wienerischen" vermerkt habe. Oder Schachtelwirt, eine Anspielung auf die Verpackungspraxis bei McDonalds. Oder Karottenballett, das sind die markant gekleideten und den Besen schwingenden Mitarbeiter der MA 48.

Am Ende des Interviews habe ich die Hörerinnen und Hörer von "Radio Wien" um alternative Wörter für Wellnesshotel gebeten. Der originellste Vorschlag war Faulenzahittn - das trifft den Sachverhalt recht gut, wobei das Faulenzen meist mit Fressorgien verbunden ist. Zu einer Wohlfühloase gehört ein gigantisches kulinarisches Angebot, damit ja alle mit zusätzlichem Körpergewicht nach Hause fahren.

Gut gefiel mir auch ein neues Wort für Whirlpool: Nein, nicht Sprudelbad, das ist irreführend, denn damit kann ein kleines Plastikbecken für ein Fußbad gemeint sein. Originell fand ich den Ausdruck Wossa-strudlbeckn. Wer dort hineinsteigt, der lässt sich genüsslich von Warmwasser anstrudeln.

Wer kennt andere neue Wörter des Wienerischen? Über Einsendungen auf der Website dieses Blattes oder auf meiner Facebookseite würde ich mich freuen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-09-27 16:41:06
Letzte ─nderung am 2016-09-28 11:47:03



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