• vom 17.10.2016, 16:04 Uhr

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Update: 18.10.2016, 11:50 Uhr

Sprachschätze

Wirtschaftlich wie die Natur




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Von Hilde Weiss

  • Sprachschätze
  • Der Biologiewortschatz erweist sich im Gegensatz zu dem manch anderer Fächer als relativ treffsicher - ein kleiner etymologischer Test.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Die Verwandtschaft ist vielfältig, auch aus sprachlicher Sicht, denn die Biologie führt zum griechischen Wort bíos für Leben und dieses (unter anderem) zu den Mikroben, "den Kleinlebewesen", der Symbiose, "dem Zusammenleben", den Amphibien, "mit Doppelleben", dem Biotop, "dem Lebensort", und den Antibiotika, "gegen das Leben". Zur Verwandtschaft gehören auch, über eine gemeinsame Wurzel, die Hygiene - vom griechischen Adjektiv hygiés für gesund, heilsam, "gut lebend", und der Zoo - vom griechischen Verb zóein für leben. Und zur lateinischen Seite der Familie gehören das Vitale, das Vifsein, "lebhaft", und die Vitamine, "die Lebens-‚Amine‘".

Mutationen kommen wie das Mausern vom lateinischen Verb mutare für tauschen. Metabolismus, "die Umwandlung", führt zum griechischen Verb metaballein für verändern, umgestalten. Und beim Plasma hat man es, eng verwandt mit der Plastik, dem Plastik und dem Pflaster, mit dem griechischen Wort plásma für Gebilde zu tun (vom Verb plássein für kneten, formen, gestalten).

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Diversität kommt vom lateinischen Verb divertere für auseinandergehen, voneinander abweichen. Und ökologisch, vom griechischen Wort oikos für Haus, Haushaltung, Wirtschaft, war ursprünglich, eng verwandt mit der Ökonomie, ein Ausdruck für die Wirtschaftlichkeit der Natur.

Gene, Genetik, Genitalien und Regeneration kommen vom lateinischen Verb nasci, ursprünglich gnasci, für geboren werden, entstehen, eng verwandt (unter anderem) mit der Natur, "was geboren ist", dem Glykogen, "dem Zuckererzeuger", vom griechischen Wort glykys für süß, und dem Kollagen, vom griechischen Wort kolla für Leim.

Evolution, vom lateinischen Verb volvere für drehen, rollen, wurde auf das Aufwickeln von Buchrollen bezogen. Und Zelle, von den lateinischen Wörtern cella und cellarium für Vorratsraum, Kammer, war zuerst ein Ausdruck für die Zellen der Mönche und Einsiedler, eng verwandt mit der Zellulose (vom lateinischen Wort cellula für kleine Zelle). Plankton ist, vom griechischen Wort planktós, "das Umhergetriebene". Das Autochthone, "das Bodenständige", führt zum griechischen Wort chthon für Erde, Land, Heimat. Und fertil heißt, vom lateinischen Verb ferre für tragen, "tragend" (trächtig).

Melanin kommt wie die Melancholie, "die Schwarzgalligkeit", vom griechischen Wort mélas für schwarz - demnach wird man im Sommer nicht braun, sondern schwarz. Chromosomen sind wörtlich "Farbkörper", von den griechischen Wörtern chroma für Farbe und soma für Körper. Und Pigmente, "die Farbstoffe", kommen wie das Pittoreske vom lateinischen Verb pingere für malen, bestreichen.

Bei Bakterien und Bazillen hat man es mit dem lateinischen Wort baculum für Stab, Stock zu tun. Lipide, von den griechischen Wörtern lipos für Fett und eidos für Aussehen, Gestalt, "sehen fett aus". Und Kapillargefäße sind, vom lateinischen Wort caput für Kopf, "Haargefäße".

Parasiten waren ursprünglich - vom griechischen Wort sitos für Speise - Tischgenossen, "Mitesser". Und der Pedigree geht, angelehnt an das englische Wort degree für Grad, Stufe, über einen altfranzösischen Ausdruck für Kranichfuß auf das lateinische Wort pes für Fuß zurück, benannt nach der Art der Verbindungslinien in Stammbäumen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-10-17 16:08:04
Letzte ─nderung am 2016-10-18 11:50:04



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