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Update: 30.11.2016, 13:08 Uhr

Sedlaczek

"Die Straßen sind verstopft und die Geschäfte werden geplündert!"




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Der Black Friday soll ein Tag sein, an dem das Geld locker sitzt. Ob bei uns die Konsumenten mitspielen, ist eine andere Frage.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka. Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Heuer ist es mir erstmals aufgefallen: Große Handelsketten werben Ende November mit dem Slogan "Black Friday" und bieten zahlreiche Schnäppchen an. Das hat nichts mit dem Schwarzen Freitag zu tun, denn der war ja nicht im November, sondern einen Monat zuvor. Am 24. Oktober 1929 verzeichnete die Wall Street ein historisches Tief. Die Amerikaner sprechen von Black Thursday, an diesem Tag brach unter den Anlegern Panik aus. In Europa trafen aufgrund der Zeitverschiebung die Berichte aus den USA erst nach Börsenschluss ein, weshalb es einen Tag später zur Panik kam. Deshalb sprechen wir vom Schwarzen Freitag.

Black Friday als Werbeslogan klingt also für die Amerikaner nicht so seltsam wie für uns. Wer will schon am Jahrestag des Beginns der Weltwirtschaftskrise Geld ausgeben?

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Aber das scheint unsere Handelsketten nicht zu stören - sie importieren den Black Friday nach Österreich.

Um den Originalausdruck zu verstehen, muss man wissen, wie der Black Friday in den USA entstanden ist. Am vierten Donnerstag des Monats November geht es den Truthähnen an den Kragen - die US-Bürger feiern an diesem staatlichen Feiertag mit einem Essen im Kreis der Familie das Erntedankfest: Thanksgiving. Am Tag darauf locken die Geschäfte mit Sonderangeboten. Dieser Fenstertag gilt als Beginn des Weihnachtsrummels.

Warum der Tag das Attribut schwarz bekam, ist umstritten, aber der älteste Beleg gibt meiner Meinung nach eindeutig Aufschluss. Die American Dialect Society hat recherchiert, dass das Police Department von Philadelphia im Jahr 1961 den Tag so genannt hat, weil "üblicherweise die Straßen verstopft und die Gehsteige überfüllt sind" und die Geschäfte in der Innenstadt "vom Aufsperren bis zum Schließen regelrecht geplündert werden". Es war also ursprünglich ein schwarzer Tag für die Polizei. Später wurde der Ausdruck umgedeutet. Black Friday sei der Tag, an dem die Geschäfte aus den roten Zahlen kommen, also erstmals schwarze Zahlen schreiben. Ob das logisch ist, müssen Sie entscheiden.

Um den Einkaufstress in die nächste Woche hineinzuziehen, wurde in den USA der Montag zum Cyber Monday erklärt. Wer am Freitag durch die Geschäftsstraßen geirrt ist und nicht das Richtige gefunden hat, der soll am Montag im Internet seine Kauflust ausleben.

Für mich stellt sich die Frage: Brauchen wir das? Es könnte ja sein, dass es sich nur um Vorziehkäufe von den Adventsamstagen handelt. Das wäre dann für die Wirtschaft ein Nullsummenspiel. In den USA ist außerdem der Verdacht aufgetaucht, dass Produkte eigens für den Black Friday produziert wurden und ihr Geld nicht wert sind. Auch bei uns spekulieren Ketten damit, dass am Black Friday die Preisnachlässe nicht überprüft werden: früher 239 Euro, jetzt 199 Euro. Stimmt das so?

Auf Websites wie geizhals.at findet man häufig günstigere Angebote von kleinen Händlern. Sie verzichten auf Inserate für Angebote am Black Friday.

Außerdem meine ich, dass wir ja nicht jeden Brauch aus den USA übernehmen müssen. Mit Halloween sind wir bereits beglückt worden, wer weiß, was noch alles kommt. Wir könnten ja auch den Columbus Day feiern.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-11-29 16:41:08
Letzte nderung am 2016-11-30 13:08:07



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