• vom 19.12.2016, 18:06 Uhr

Glossen

Update: 20.12.2016, 15:56 Uhr

Sprachschätze

In großen Zügen




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Von Hilde Weiss

  • Sprachschätze
  • Gütig sein macht glücklich: Von Weihnachten nicht wegzudenken, früher wie heute, schenken, spenden, helfen, geben.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Weihnachten, "Heiligabend", vom germanischen Adjektiv weiha für heilig, geweiht und der ursprünglichen Bedeutung der Nacht als Abend, erklärt sich daraus, dass die Tage früher vom Abend an gezählt wurden, wie beim Sonnabend und beim Feierabend, der ursprünglich der Vorabend eines Feiertags war. Zeit des Gebens, wobei Gabe, "die Gegebene", in althochdeutscher Zeit neben geba auch gift genannt wurde: Gift bedeutete auch im Deutschen ursprünglich ganz neutral Gabe. Freigebig, früher gebig und gäbig, "gern gebend".

Das Karitative und die Charity führen zum lateinischen Wort caritas für Hochschätzung, Wert und zu einer indoeuropäischen Wurzel für lieben und begehren. Hilfe, ein germanisches Wort, zuerst Helfe, dann Hülfe - damit niemand unbeholfen ist, ursprünglich ohne Hilfe, "ungeholfen". Wohltätigkeit, Wohlhabende und Wohlfahrt, "das Wohlergehen", führen zum Wohl, "dem Gewollten", und dieses über das Germanische zu einer Wurzel für wollen. Und die Kollekte kommt vom lateinischen Verb legere für sammeln, auflesen, lesen, wie auch die Kollektion und die Legende.

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Es wird gespendet, spendiert - spendabel, vom lateinischen Verb expendere für ausgeben, verausgaben, mit dem man es auch bei den Spesen zu tun hat, beim Speisen und beim Spind, "der Speis" (dem Vorratsschrank). Es wird gestiftet, was ursprünglich erbauen, gründen bedeutete. Man lässt etwas springen, was daher kommt, dass man früher die Geldmünzen aufspringen ließ, um durch den Klang ihre Echtheit zu beweisen.

Sozial, "in Verbindung stehend", das kommt (wie die Assoziation) vom lateinischen Verb sociare für verbinden, vereinigen. Human, "irdisch", von den lateinischen Wörtern homo für Mensch und humus für Erde. Großzügig, in großen Zügen. Und die Generosität kommt vom lateinischen Ausdruck generosus für edel, hochherzig, von vornehmer Abstammung (zu genus, Geburt, Abstammung). Edelmütig, "adelmütig". Nobel, von den lateinischen Wörtern nobilis für adelig, vornehm, "bekannt" und noscere für kennenlernen. Altruistisch, vom lateinischen Wort alter für der andere.

Bei der Mildtätigkeit, schon in germanischer Zeit ein Wort für freundlich, hat man es mit einer Wurzel für weich zu tun. Almosen, im Althochdeutschen alamuosan, kommen über das Kirchenlateinische vom griechischen Wort eleemosyne für Mitleid. Und barmherzig, "armenherzig" ("erbarmherzig"), kommt vom althochdeutschen Wort armherzi, einer Lehnübersetzung des lateinischen Begriffs misericors, "ein Herz für die Armen".

Mäzene heißen nach Maecenas, Berater von Kaiser Augustus und Förderer von Gelehrten und Dichtern. Sponsoren, entlehnt aus dem Englischen, waren zuerst Bürgen, später Paten, vom lateinischen Verb spondere für geloben, versprechen, verpflichten, das auch zur Sponsion führt.

Geben ist seliger als Nehmen, diese Feststellung stammt aus der Bibel (Apostelgeschichte 20:35), wo Paulus sagt, dass man "sich der Schwachen annehmen soll, in Erinnerung an die Worte Jesu: Geben ist seliger als Nehmen." Seliger? Die Seligkeit geht auf germanische Wörter für gütig und glücklich zurück.




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Sprachschätze, Etymologie

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-19 18:11:03
Letzte nderung am 2016-12-20 15:56:06



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