• vom 03.03.2017, 16:54 Uhr

Glossen

Update: 13.03.2017, 15:51 Uhr

Gastkommentar

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist Güte




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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Wohin man schaut: Immer will irgendwer irgendwem irgendwas ganz bestimmt nicht glauben. Dabei wäre das so wichtig.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen. Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Es regiert das Misstrauen. Das ist traurig. Und schlecht für den Umgang. Wenn man stets nur das Schlechteste annimmt, umgibt man sich nur noch mit Geheimdienstoffizieren, die einen täglich auf weitere, größere Gefahren hinweisen, und am Schluss besetzt man aus lauter Paranoia die Krim (Methode Putin). Oder man fängt mit der ganzen Welt Krieg an, industrialisiert die Massenvernichtung und erschießt sich später im eigenen, "Bunker" genannten Hobbykeller (Methode Schicklgruber). Man sieht: Mistrauen macht einsam. Trotzdem ist es heute nicht einfach, sein Grundvertrauen auszuleben. Wo man doch seit einigen Jahren weiß (und es mit aller Anstrengung verdrängt), dass die Damen und Herren von den Geheimdiensten höchstwahrscheinlich ungefähr alles mitlesen, was man so in seinen Computer tippt. Doch auch damit kann man positiv umgehen, wie ein befreundeter Autor mir zeigte. Angesprochen auf die allumfassende Überwachung antwortete er: "Ich freu mich über jeden Leser." Und er hat damit recht. Hat Andy Warhol uns nicht allen 15 Minuten Ruhm versprochen? Eben. Man kann sich sein Publikum eben nicht aussuchen. Umso wichtiger ist es, der Welt der Politik mit blindem Vertrauen zu begegnen.

Nehmen wir nur mal den aktuellen amerikanischen Justizminister Sessions: Natürlich hat der Mann, als er Teil des Kampagnenteams von Donald Trump war und den russischen Botschafter getroffen hat, nicht über den Wahlkampf gesprochen. Warum sollte er denn darüber mit den Russen sprechen? Die haben doch keine Ahnung von freien Wahlen. Da ist es doch viel wahrscheinlicher, dass die beiden Rezepte zur Herstellung von Marmelade ausgetauscht haben (Man nennt so etwas "Jam-Sessions"). Und natürlich kann man auch darauf vertrauen, dass die deutsche Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem Ägypten- Besuch die Lage der Opposition angesprochen hat. Ganz bestimmt.

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Vorher musste nur anlässlich der Migrationsbewegungen noch eine Runde Schifferlversenken gespielt werden, dann plauderte man beim Abendessen genüsslich über Waffenlieferungen und die Ergebnisse des letzten internationalen "Menschenrecht ärgere Dich nicht"-Turniers, um schließlich beim Kaffee sich alle drei Sissi-Filme reinzuziehen. Auf Wunsch des Staatschefs. Der hört gern, wenn Karlheinz Böhm seinen Namen sagt. Und genauso muss man auch dem Eurofighter-Deal hierzulande begegnen. Was hilft es denn, leicht überforderten ehemaligen Verteidigungsministern, von ihrer Frisur bestraften Ex-Finanzministern, supersympathischen Rüstungslobbyisten, barmherzigen Waffenhändlern, kuschelweichen Airbus-Verantwortlichen und anderen Schmusebären irgendwelche schmutzigen Deals und geheimen Absprachen zu unterstellen?

Da wäre es doch besser, vertrauensvoll in die Vergangenheit zu blicken und sich zu sagen, die haben damals nicht über Bestechung und Schmiergelder parliert, sondern sich gegenseitig wahrscheinlich nur die Fotos gezeigt, wo die Enkerln so fesch mit der Pumpgun posieren. Also lassen Sie uns Vertrauen entwickeln. Und das Glück im Detail suchen. "Katy Perry hat eine neue Frisur!" Wow. Da möchte man doch Genaueres wissen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-03 17:00:04
Letzte nderung am 2017-03-13 15:51:05



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