• vom 09.03.2017, 16:24 Uhr

Glossen


Patriarchat

Die größte Weltreligion von allen




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Das Patriarchat. Und anscheinend sind Kindergärtnerinnen, Volksschullehrerinnen und Wählerinnen eher keine Feministinnen. Sondern Gläubige.



Der Gärtner war’s - nicht. (Ätsch.) Die üblichen Verdächtigen (lauter Männer natürlich, no na), die scheiden also offenbar aus. Aber wer war’s dann? Die Gärtner-in. Nämlich die von den Kindern. Und sie läuft noch immer frei herum.

Okay, wahrscheinlich hätte ich nicht bereits am Anfang verraten sollen, wer der Täter ist. Tschuldigung: die Täter-in. (Beziehungsweise die Täterin-nen. Denn die Volksschullehrerin hat fleißig mitgemacht.) Wer sollte jetzt noch weiterlesen? Die ganze Spannung ist weg. Als Krimiautorin wäre ich jedenfalls eine totale Niete. Was wirft man der Kindergärtnerin und ihrer Komplizin überhaupt vor? Eh nix. Und das ist der eigentliche Skandal. Dass es jedem wurscht ist. Und am nächsten Internationalen Frauentag wundern sich wieder alle, warum die Frauen weniger Geld und Vorstandsposten haben als die Männer. Was doch unmöglich sein kann, weil sie schließlich gleich zu Beginn ihres Berufslebens positiv diskriminiert werden. Oder dürfen sie sich etwa nicht um die allgemeine Wehrpflicht herumdrücken? (Allgemein: für alle geltend.) Die Burschen müssen im Dreck robben und die Mädeln können derweil gemütlich studieren und Karriere machen. (Äh, innerhalb von sechs Monaten?)

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Angeblich haben Frauen deshalb ein geringeres Einkommen, weil ihre Berufswahl oft so typisch weiblich ist (Friseurin, Billakassierin, Mutter . . .). Moment. Sind sie bei den besser bezahlten Männerjobs (Chef, Vorstandsmitglied . . .) nicht eh mitgemeint? (Zumindest in der Pluralform.) Ja schon. Freilich sollten sie dort eventuell auch ein bissl mitarbeiten. Drum versuchen Firmen, denen die soziale Gerechtigkeit ein Anliegen ist, ihre Mitarbeiterinnen zu emanzipieren. Sprich aus dem Billiglohnsektor wegzurationalisieren. Mit Selbstbedienungskassen zum Beispiel. Es weiß zwar niemand, wieso die Stunde einer Friseurin weniger wert ist als die eines Installateurs, aber eines ist klar: Friseurinnen sollten zu ihrem eigenen Besten noch weniger verdienen. Damit sie einen Anreiz haben, sich was Lukrativeres zu suchen. Sonst müssen leider die Selbstbedienungsfriseurstühle kommen. (Gibt’s die nicht längst? Wer sich die Haare selber föhnt, kriegt einen Rabatt.)

Hm. Da haben die Frauen für sehr lange Zeit quasi das Monopol auf die Kindererziehung, die nächste Generation ist ihnen praktisch ausgeliefert (den Kindergartentanten und Volksschullehrerinnen - und den alleinerziehenden Müttern), und trotzdem werden die Mädchen später Friseurin und die Buben Automechaniker (oder Vorstand). Die Gesellschaft hätten sie nachhaltig verändern können. Und soll sich noch einmal eine über den mickrigen Frauenanteil in der Regierung aufregen. In Wahrheit bestimmen sowieso die Frauen die Politik in diesem Land. Hallo? 51 Prozent der Bevölkerung! Und in einer Demokratie schafft die Mehrheit an! Und was tun sie? Sie wählen einen Mann zum Bundespräsidenten. (Zwar einen, der die Hymne mit den Quotentöchtern singt . . .) Die Töchter hatten ihre Chance. Und sie haben’s vermasselt.

Ich hab plötzlich einen schrecklichen Verdacht: Das Patriarchat ist das Werk der Frauen. Hoffentlich werden wir nie bei einer Volksabstimmung gefragt: "Das Patriarchat soll a) als terroristische Vereinigung verboten werden, b) in der Verfassung verankert werden (als Staatsreligion)." Ich weiß nämlich, wie’s ausgehen würde.




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Dokument erstellt am 2017-03-09 16:30:06



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