• vom 10.03.2017, 16:04 Uhr

Glossen

Update: 17.03.2017, 11:45 Uhr

Glosse

Alles ist hin




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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Wie man mit Alkohol und Lautstärke überlebt. Eine vielleicht wahre Geschichte, die nichts mit Fußball zu tun hat.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen. Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Was im Lärm der Welt meist untergeht, sind Gedenktage für Leute, die es eigentlich verdienen würden, dass man sich an sie erinnert.

So könnte man heute, am 11. März 2017, sich zum Beispiel den 332. Todestag von Marx Augustin ins Gedächtnis rufen. Kennen Sie nicht? Doch. Das ist jener trinkfreudige Zeitgenosse des späten 17.Jahrhunderts, der im Pestjahr 1679 für einen Toten gehalten wurde, obwohl er nur friedlich in einem Hauseingang seinen Rausch ausschlafen wollte.

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Als er anschließend (wohl mit einem Mordstrumm Brand und einem ordentlichen Schädelweh) lange vor der Erfindung von Magnesium-Präparaten in einer Pestgrube wieder erwachte, soll er mit Hilfe seiner Sackpfeife (vulgo Dudelsack) so viel Lärm gemacht haben, dass man ihn wieder herausgeholt hat. Woraufhin er mit dieser schönen Geschichte durch die Wirtshäuser der Wienerstadt getingelt sein soll, immer auf der Suche nach jemandem, der ihm für diese ruhmreiche Erzählung noch ein paar Gläser spendieren könnte. Kennen Sie doch? Eben. Hab ich ja gewusst.

Gut, der Zweifler könnte jetzt einwenden, dass die Existenz dieser Person gar nicht gesichert sei. Dem nicht genug, gäbe es sogar Hinweise, dass das alles nicht in Wien passiert wäre, sondern entweder eine frühe Urban-Legend aus Bremen wäre oder gar aus dem pestgeschüttelten London des Jahres 1665 käme. Das wäre für das bekanntlich hochsensible und dem Ausland stets in Liebe verbundene Wiener Herz freilich ein herber Schlag.

Weiters ist davon auszugehen, dass diverse Menschen hierzulande, die sehr viel Heimat in Herz und Hirn mit sich herumtragen (weswegen dort auch nichts anderes mehr Platz hat), beim kolportierten Vornamen "Marx" des Herrn Augustin eine frühsozialistische Intrige wittern könnten.

Die freundlichen, aber etwas neugierigen Geheimdienste von nebenan, die nach neuesten Enthüllungen anscheinend auch uns beim Fernsehen zuhören können - was bei genauerer Betrachtung wahrscheinlich der ödeste Job des Universums sein muss - , dürften jetzt schon alarmiert sein und sich fragen, wie sie wohl eine Sackpfeife abhören könnten, ohne dass den betreffenden Mitarbeitern der Schädel nach fünf Minuten explodiert.

Schließlich wäre eine Person, die sich so erfolgreich tot stellen könnte und noch dazu über eine nichtbekannte Anti-Pest-Virus-Software verfüge, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit.

Der türkische Botschafter dagegen dürfte nicht nur über den ausufernden Alkoholkonsums des Augustin erschüttert sein, sondern auch - da über Augustins Rolle bei der zweiten Türkenbelagerung vier Jahre später überhaupt nichts bekannt ist - eine Verschwörung gegen die Türkei vermuten. Angeblich denkt auch Großbritanniens Premierministerin Theresa May darüber nach, die ungeklärte Urheberfrage der Augustin-Geschichte zum Teil der Brexit-Verhandlung zu machen.

Was sagt aber der sogenannte "liebe" Augustin dazu? Gar nichts. Der ist tot. Vielleicht ist es aber für uns dafür an der Zeit, Dudelsack spielen zu lernen. Soll gut für die Gesundheit sein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-10 16:09:03
Letzte ─nderung am 2017-03-17 11:45:09



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