• vom 16.03.2017, 15:50 Uhr

Glossen


Kunstsinnig

Dann dürfen die Sternsinger aber auch erst mit 14




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Von Claudia Aigner

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  • Der EuGH-Entscheid übers Kopftuchverbot am Arbeitsplatz verhindert womöglich ein solches für Kindergartenkinder. Das wäre nur gerecht.



Es geht also wieder einmal um diese islamische Reizwäsche. Dessous, die halal sind? Nein, wieso Dessous? Die sind doch für unten drunter. Natürlich ums Stückerl Stoff für oben drauf! Das regt die Leute zumindest mehr auf als jeder Stringtanga.

Dabei soll das Kopftuch eigentlich das Gegenteil bewirken. Dass sich keinermehr aufregt. Weil es nix mehr zu sehen gibt. Grad erst haben alle über diese Kopftuch-Fatwa der Islamischen Glaubensgemeinschaft diskutiert. Über dieses theologische Gutachten von irgendeinem Mufti. Demnach ist es für Muslimas ab der Pubertät "ein religiöses Gebot", in der Öffentlichkeit ihren Körper zu bedecken ("mit Ausnahme von Gesicht, Händen und nach manchen Rechtsgelehrten Füßen"). Äh, wenn schon ein normales Kopftuch lange Ärmel hat und bis zu den Knöcheln reicht (mindestens), was hat dann die Burka? Und was heißt "ab der Pubertät"? Ab zehn? Ab der ersten Menstruation? Und dürfen Musliminnen das Kopftuch nach der Menopause ablegen? Jedenfalls ist die Frau eine einzige erogene Zone. Für den Mann. Tja, und wenn sie brav die anstößigen Körperteile wegpackt, könnte sie nun ausgerechnet das den Job kosten. Wegen diesem Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Das gestattet nämlich ein Kopftuchverbot am Arbeitsplatz, sofern der Arbeitgeber das sichtbare Tragen von religiösen, politischen oder weltanschaulichen Symbolen generell untersagt. (Betrifft das auch den Rapid-Schal? Und müssen Salafisten ihren Bart abrasieren, was die öffentliche Sicherheit massiv gefährden würde, weil die Cobra sie mit dem Babyface nachher bei der Razzia nimmer als Gefährder erkennt?) Hm. Schadet ein Neutralitätsgebot nicht der Integration, weil sich dann eben keine mit Kopftuch mehr bewirbt? Und so eine hätte eine Integration echt nötig, lebt sie doch offenbar in einer fundamentalpatriarchalischen Parallelgesellschaft, wo man auf die Gleichberechtigung pfeift. He, dort ist die Fußballnationalmannschaft ebenfalls daheim. Die die Ehre der Hymne verbissen gegen die sexuelle Belästigung durch die Töchter verteidigt.

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Vielleicht wär’s g’scheiter, das Kopftuch komplett zu verbieten. Wenn seinetwegen so viele diskriminiert werden. Okay, Mädchen aus strengmuslimischen Familien bekämen wahrscheinlich "ab der Pubertät" Hausarrest. Ach, wenigstens hätten sie vorher in der Volksschule noch die gegenderte Bundeshymne gelernt (außer die Lehrerin ist ein Andreas-Gabalier-Fan) und könnten sich später damit trösten, dass die Töchter hierzulande gleich viel wert sind wie die Söhne. Und wenn ihre Pubertät sicherheitshalber bereits im Kindergarten beginnt? Haben sie halt Pech gehabt. (Dass nicht einmal für Kleinkinder die Unschuldsvermutung gilt, beweisen doch diese Pädophilen. Richtet man die Mäderln deswegen wie kleine Erwachsene her, um sie für Kinderschänder unattraktiv zu machen? Und wer schützt die Buben und klebt ihnen Vollbärte auf?)

So. Wie weiß man jetzt, ob eine den Hidschab eh freiwillig aufsetzt? Man hebt das Mindestalter einfach auf 14 an. Ab da ist man religionsmündig. Aber das wäre wohl gleichzeitig das Ende der Sternsinger. Weil sich die katholischen Gschrappen auch erst mit 14 als Heilige Drei Könige verkleiden dürften. Und dieses EuGH-Urteil riskiert keiner. (Wer will schon pickeligen Teenagern was spenden? Die sind so gar nicht herzig.)




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Dokument erstellt am 2017-03-16 15:54:10



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