• vom 18.03.2017, 12:20 Uhr

Glossen

Update: 21.03.2017, 10:36 Uhr

Glossenhauser

Das Erbe der Nation




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Erst kürzlich war an dieser Stelle vom Kulturerbe die Rede. Das der Welt. Aber es gibt noch ein anderes. Das nationale. Und das immaterielle.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Es gibt auf der Liste des immateriellen Weltkulturerbes zwei Einträge aus Österreich. Aber nur einen aus Deutschland. Sowie einen gemeinsamen (die Falknerei). Während Deutschland so eine langweilige Sache wie die Genossenschaft für schützenswert hält, ist auf der Liste für Österreich sowohl die Reitkunst der Spanischen Hofreitschule verzeichnet wie auch der Imster Schemenlauf. Und wer würde leugnen, dass diese Dinge immens wichtig sind?

Dem nicht genug, gibt es noch eine zweite Liste. Und die ist dieser Tage weiter angewachsen. Die Liste des nationalen immateriellen Erbes. Hier finden sich Dinge, die man nicht für die Welt, sondern für das Land schützt. (Wovor? Vor der Welt vielleicht? Man weiß es nicht.) Und da gibt es noch ganz andere immaterielle kulturelle Wichtigkeiten: das Hundstoaranggeln etwa. Aber auch die Bodensee-Radhaube in Laméspitze, Lesachtaler Brotherstellung (anderswo isst man nur Reis und Bohnen, scheint’s), der Perchtoldsdorfer Hütereinzug, das Schmieden in Ybbsitz, sowohl der Ebenseer Glöcklerlauf als auch der Ebenseer Fetzenzug, weiters das Telfer Schleicherlaufen, der Lichtbratlmontag in Bad Ischl, das Blochziehen in Fiss, das Freiungsaustragen beim Maxlaun in Niederwölz, der Aberseeer Schleuniger, weiters (Achtung, jetzt wird es ein wenig lauter) das Wissen um die Haselfichte als Klangholz und die Wirlinger Böllerschützen, aber auch (jetzt wieder ganz leise) die Hinterglasmalerei in Sandl. Dazu noch das Murauer Faschingrennen (Prost!) und das Wissen um die Standorte, das Ernten und das Verarbeiten des punktierten Enzians (Nochmal Prost!) und nicht zu vergessen: die Trattenbacher Taschenfeitel-Erzeugung (Bauchstich).


Wer hier einen Überhang der Bundesländer befürchtet, dem sei gesagt, dass auch Wien immaterielles Schützenswertes besitzt. Das Dudeln und die Wiener Kaffeehauskultur zum Beispiel. Insgesamt hat die Liste 96 Einträge und sie wird stetig länger und länger. Deutschland etwa kommt nur auf magere 68. Die Piefke können gern Fußballweltmeister sein, wir sind Weltmeister des Immateriellen.

Angesichts dieser Liste stellt sich natürlich die Frage: Wer entscheidet eigentlich, was da drauf kommt? Nun, es ist die "Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe der Österreichischen Unesco-Kommission". Meine Vermutung, dass es sich bei den Mitgliedern dieser Kommission um einen alten Bergschuh, die Katze eines ehemaligen Raiffeisen-Vorstandes, den Cousin des Bruders der angeheirateten Frau des Sprechers der Österreichischen Heugabelproduzenten, den Meniskus von Arnold Schwarzenegger und den Kellner Gustl vom Café Karin in der Ottakringer Straße handeln muss, ist wahrscheinlich nicht haltbar.

Andererseits kann ich mir dieses Sammelsurium anders kaum erklären. Aber wahrscheinlich irre ich mich. Wie auch immer: Ich werde es bald erfahren. Denn auch ich werde mich bewerben, als immateriell wertvoll eingeschätzt zu werden. Und zwar mit dieser Kolumne. "Wöchentliches Groebnerisches deppert Daherreden" würde sich gut auf der Liste machen. Gleich nach der "Widderprozession nach Obermauern", aber noch vor "Zachäussingen in Zirl". Da samma daham.




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-17 18:23:04
Letzte ─nderung am 2017-03-21 10:36:03



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wer es sich nicht leisten kann, zahlt mehr dafür
  2. Das Gute und das Bürgerliche
  3. Mit Rasanz in die Sackgasse
  4. Brauchen wir schön langsam ein Täterschutz- Programm?
  5. Papier schafft Vertrauen
Meistkommentiert
  1. Wer sich empört, lebt verköhrt
  2. Mit Rasanz in die Sackgasse
  3. Wer es sich nicht leisten kann, zahlt mehr dafür
  4. Fest der Ängstlichen
  5. Bitte wischen!

Werbung




Werbung


Werbung