• vom 20.03.2017, 16:26 Uhr

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Update: 21.03.2017, 14:03 Uhr

Sprachschätze

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Von Hilde Weiss

  • Sprachschätze
  • Was haben Kundschaft, Märchen, Annoncen und das Weismachen mit Gospel und Evangelisten gemeinsam?

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Neu ausgerichtet: Ob gute oder schlechte Nachrichten, sie kommen vom frühneuhochdeutschen Wort Nachrichtung und waren ursprünglich Unterweisung, Belehrung, "wonach man sich richtet". Auch die Unterrichtung kommt vom Richten und dieses bedeutete ursprünglich begradigen, in eine bestimmte Richtung bringen, in Ordnung bringen. Und unter Agentur, vom lateinischen Verb agere für treiben, betreiben, verstand man ursprünglich, als es noch keine Nachrichtenagenturen gab, Geschäftsstellen, Geschäftsvertretungen, und der dazugehörige Geschäftsführer war der Agent. Zu den Nachrichten gehört auch die Parte, ursprünglich Partezettel, denn sie kommt vom französischen Begriff donner part für Nachricht geben. Und Kundschaft war ursprünglich ein Wort für Kunde im Sinn von Nachricht, dann erst ein Ausdruck für Kunden (Konsumenten), "die kund (bekannt) sind", eng verwandt mit den Kundschaftern, "die auskundschaften" ("kundmachen", "bekanntmachen").

Auch Märchen gehören aus sprachlicher Sicht zu den Nachrichten, "kleine Mären", kleine Erzählungen, von althochdeutschen Wörtern für Nachricht, Kunde und germanischen Wörtern für verkünden, berühmt und löblich und - wie die Mehrheit - von einer indoeuropäischen Wurzel für groß. Dazu noch das Evangelium, vom griechischen Wort euággelos für gute Kunde bringend, gute Botschaft, und Gospel, "die gute Kunde", das Evangelium, vom altenglischen Begriff godspell. Berichten bedeutete ursprünglich berichtigen, "richtig machen" (in Ordnung bringen). Reportagen führen über das Englische und das Altfranzösische zum lateinischen Verb reportare für zurückbringen, zurücktragen, ähnlich wie der (ausgesandte) Berichterstatter den Bericht erstattet, an die Stätte zurückbringt - und ähnlich auch der Korrespondent, vom lateinischen Verb respondere für antworten, entsprechen. Gute Story, "gute Historie", vom griechischen Wort historía für Kunde, Kenntnis, Wissen. Meldungen führen zu einem germanischen Verb für anzeigen (aufzeigen), berichten, verraten, anklagen. Meldari nannte man in althochdeutscher Zeit die Verräter. Und Annoncen gehen wie das Prononcierte über das Französische auf das lateinische Verb nuntiare für berichten, melden, verkünden zurück. Informationen kommen vom lateinischen Verb formare für bilden, gestalten (von forma für Gestalt, Figur).

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Einbilden, "hineinprägen", dürfte als Lehnübersetzung dazu entstanden sein. Auch weismachen, von weise, bedeutete ursprünglich informieren, kundtun, belehren, "wissend machen". Kommunikation, vom lateinischen Verb communicare, heißt mitteilen, teilen, "miteinander teilen" (gemeinschaftlich, kommunal). Zum Beispiel über Medien, "Mittler", vom lateinischen Wort medius für in der Mitte, vermittelnd. Das Magazin war im Arabischen ursprünglich ein Warenlager, ein Speicher. Später wurde es auch, bereits entlehnt, zum Warenhaus, zur Munitionskammer - und zur Zeitschrift, zur "Nachrichtensammlung". Und Gazette, "Groschenblatt", war ursprünglich der Name einer Münze im Wert von zwei venezianischen Kreuzern - so viel zahlte man im 16. Jahrhundert für eine Zeitung. Allerdings war man früher sprichwörtlich überzeugt: Keine Nachricht, gute Nachricht.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-20 16:30:11
Letzte ─nderung am 2017-03-21 14:03:10



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