• vom 01.04.2017, 11:00 Uhr

Glossen

Update: 06.04.2017, 16:24 Uhr

Glossenhauer

Parlament & Palatschinken




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Von Severin Groebner

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  • Viel wird über Politiker geschimpft. Bisweilen sogar zu Recht. Doch es gibt auch andere Exemplare dieser sehr speziellen Spezies. Ganz andere.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen. Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Gottseidank gibt es im politischen Betrieb noch Vorbilder, Lichtgestalten, wahre Leuchttürme, die mit ihrer Strahlkraft anderen den Weg weisen. Nehmen wir etwa den ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka. Der ist eine derart große Leuchte, dass man ihm ungern im Dunkeln begegnen möchte. Denn von so einem Lichtbringer (lat.: Luzifer) kann man nur geblendet werden.

Und das kommt nicht von ungefähr.

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Schließlich ist er nicht nur Chef des ÖVP-Parlamentsklubs, sondern auch Landesparteiobmannstellvertreter der Steirischen Volkspartei, Vizepräsident der Politischen Akademie der ÖVP, Rechnungsprüfer der Europäischen Volkspartei, Vizepräsident des Österreichischen Behindertensportverbandes, Präsident des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung, Bundesparteiobmannstellvertreter der Österreichischen Volkspartei und Präsident der Österreichisch-Australischen Gesellschaft. In der letzten Funktion sorgt er angeblich dafür, dass nicht zu viele Kängurus nach Österreich einwandern.

Obendrein sind nach ihm sogar zwei russische Marinestützpunkte unweit von Norwegen (Bolschaja Lopatka und Malaja Lopatka) an der Barentsee benannt. Vielleicht, weil seine persönliche Ausstrahlung so viel Wärme enthält wie die dort herrschenden Temperaturen? Man weiß es nicht.

Auf jeden Fall ist er ein großer Intellektueller. Legendär sein Vorwort für "ZUKUNFTsFEST - 60 Jahre Österreichische Volkspartei" aus dem Jahr 2005, ein Knüller die von ihm mitverfasste Festschrift "zukunft denken" für Wolfgang Schüssel aus demselben Jahr (man beachte: Lopatka kann Zukunft sowohl klein- als auch großschreiben) und bis heute unerreicht das von ihm mitherausgegebene Opus "Für Österreich - 70 Jahre Österreichische Volkspartei". Letzteres ist auf Amazon leider zurzeit nicht verfügbar. Sicherlich ein Zeichen für den reißenden Absatz, den das Werk gefunden haben muss. Aber schon dieser kleine Überblick zeigt das immense Themenspektrum, das Lopatka imstande ist abzudecken: Volkspartei, einmal mit und einmal ohne Zukunft.

Deshalb kann auch die Volkspartei mit einem wie ihm in ihren Reihen beruhigt nach vorne schauen. Denn Reinhold Lopatka sorgt dafür, dass der ÖVP-Parlamentsklub wächst und wächst und wächst - und zwar egal, wie die Wahlergebnisse aussehen.

So findet noch jeder Abgeordnete des Nationalrats, der an einem Überfluss an Meinung, aber an einem Mangel an Rückgrat leidet, in Lopatka einen ihm zugeneigten Gesprächspartner. Das liegt an Lopatkas tiefem Verständnis für heimatlose Wesen. Dabei ist seine Barmherzigkeit allerdings ausschließlich für Schutzbedürftige mit Mandat reserviert. Der Lateiner nennt das "Caritas parlamentaris".

Warum er das so gut kann, liegt möglicherweise an der Bedeutung seines Namens im Polnischen. Dort heißt Lopatka so viel wie "Pfannenwender". Also jenes Küchenutensil, mit dem man etwa Palatschinken umdreht. Dann werden die auf beiden Seiten goldbraun gebacken, verspeist, verdaut und schließlich außeg’sch . . . - hinausgekotet. Und so gehen sie dahin: Palatschinke für Palatschinke. Parlamentarier für Parlamentarier.

Nur der Pfannenwender, der bleibt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-31 17:33:09
Letzte ─nderung am 2017-04-06 16:24:07



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