• vom 13.04.2017, 15:47 Uhr

Glossen


Feiertage

Jetzt wollen natürlich auch die Atheisten ihren Feiertag




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Nur weil die Evangelischen am Karfreitag nicht arbeiten gehen müssen und die andern schon (und das total ungerecht ist).



Bitte nicht noch mehr gesetzliche religiöse Feiertage! Zehn im Jahr sind doch echt genug, oder? Also alle paar Wochen daran erinnert zu werden, dass Religion in Österreich keine Privatsache ist. Und jetzt bekommen wir vielleicht sogar noch zwei dazu: Karfreitag und . . . Jom Kippur.

Jom Kippur? Ist das nicht was Jüdisches? Ja. Und? Soll mich das irgendwie irritieren? Mehr als ein christlicher Feiertag? Hallo? Ich bin Atheistin, keine Antisemitin! Außerdem möchte ich eins klarstellen: Ich hab überhaupt nichts gegen die Christen, die Juden oder die Moslems. Ich mag bloß ihre Religion nicht. Dafür hab ich auf diesen Konfessionslosen einen Pick, der mit seiner Klage noch bewirken wird, dass das hier womöglich meine letzte Kolumne ist. Die an einem Karfreitag erscheint. Ach, weil man sich über nix mehr lustig machen darf, sobald der höchste evangelische Feiertag für jeden ein Feiertag ist? Weil es bei uns dann wie bei den Deutschen sein wird, die am Karfreitag ja per Gesetz keinen Spaß haben dürfen? (Tanzverbot und so.) Nein, weil es an einem Feiertag keine "Wiener Zeitung" gibt. (Aus Papier.)

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Ein Arbeitnehmer fühlt sich also aus religiösen Gründen diskriminiert, obwohl er sowieso konfessionslos ist. Nicht, dass er erst zum Katholizismus konvertieren müsste, bevor es ihn stören darf, dass er am Karfreitag voll reinhackeln muss und man ihm nicht einmal einen Feiertagszuschlag zahlt, während die Evangelischen einfach so frei kriegen, ohne nachher eine Bestätigung vom Pfarrer/von der Pfarrerin bringen zu müssen, dass sie schön brav in der Kirche waren. Und nun muss eben der Europäische Gerichtshof entscheiden, ob das gegen die Gleichbehandlungsrichtlinie verstößt. Schon irgendwie unfair, dass die Protestanten einen arbeitsfreien Tag mehr haben. Und unter bestimmten Voraussetzungen auch die Juden. Darum: Karfreitag und Jom Kippur für alle! Das wäre nur gerecht. Na ja, nicht für den Arbeitgeber. Feiertage sind teuer. Und wenn die Katholiken auf zwei verzichten? Die haben eh so viele. Mariä Empfängnis und Mariä Himmelfahrt müssten sie aber natürlich behalten. Wegen der Frauenquote. Ostermontag eventuell? Reicht ja der Ostersonntag. Und wozu zwei Weihnachtsfeiertage? Total unnötig, der Stephanitag. Es gibt doch Allerheiligen. Da ist der Heilige Stephanus mitgemeint. Moment, das wäre schlecht fürs Weihnachtsgeschäft. Weil holt man sich am 26. Dezember nicht bei den Verwandten seine Geschenke ab? Sollen sie die Packln halt mit der Post schicken!

Und die Moslems? Steht denen nicht ebenfalls ein eigener Feiertag zu? Und den Buddhisten ein Buddha-Tag? Den Lutheranern wird dann plötzlich einfallen, dass sie einen Reformationstag auch noch brauchen, die Atheisten wollen einen religionsfreien Tag, an dem keine Kirchenglocken läuten dürfen . . . und wehe, einer hat einen Feiertag mehr als ein andrer! Ein Religionskrieg wird noch ausbrechen. Bloß weil einer ohne Bekenntnis mehr Geld haben wollte. Dem Staat wird nix anderes übrigbleiben, als sicherheitshalber gleich sämtliche gesetzliche Feiertage abzuschaffen. Sogar den Nationalfeiertag. So war das eigentlich nicht geplant, gell? Meine Freundin Ini hätte da freilich die perfekte Lösung: "Dafür für jeden sieben Wochen Urlaub." Statt fünf. Und die Freien Dienstnehmer und die Arbeitslosen? Kriegen zwei Wochen statt null? - He, ned gierig werden!




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Dokument erstellt am 2017-04-13 15:51:04



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