• vom 21.04.2017, 18:10 Uhr

Glossen

Update: 03.05.2017, 12:06 Uhr

Glossenhauer

Ganz schön stark




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Von Severin Groebner

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  • 43 Prozent der Österreicher wünschen sich einen starken Mann. Im Burgtheater? An der Spitze der Sozialversicherungen? Oder als Pizzaboten?

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen. Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Einer Studie des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien zufolge wünschen sich 43 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher einen "starken Mann" an der Spitze des Staates. Viele sehen das als Zeichen einer ständig wachsenden Sehnsucht nach einem autoritären Führer. Das kann sein.

Andererseits wäre es aber auch möglich, dass die Leute einfach einen beleibteren Bundeskanzler wollen. Kern ist schlank, Mitterlehner auch, Außenminister Kurz versucht, die mangelnde Breite seiner Schultern mit seinen Ohren wettzumachen, und Niederösterreich wird jetzt auch von einer schmalen Silhouette regiert, die obendrein sogar noch eine Frau sein soll. Schauen wir uns dagegen in den Straßen des Landes um: Hier regieren die Untersetzten das Ortsbild. Menschen, deren Liebe zu Schnitzeln, Kaiserschmarrn und Milirahmstrudel (mit Schlag) ihnen deutlich anzusehen ist, wackeln schweratmend durch die Fußgängerzonen. Wenn die einen von den Obengenannten im Fernsehen sehen, fühlen die sich logischerweise nicht repräsentiert, sondern an mögliche Gewichtsreduktion erinnert. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum die Nachfolge von Michael Häupl noch nicht geklärt werden konnte. Nicht weil seine Schuhe den möglichen Nachfolgern zu groß wären, sondern die Anzüge.

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Wenn es letztlich also nur um Leibesfülle geht, darf man doch auch mal fragen, warum muss es denn eigentlich immer ein starker Mann sein? Warum nicht mal eine starke Frau? Gut, das ist jetzt gerade ein bisschen heikel. In den letzten Tagen war das ja in allen Medien Thema. Ich sage nur: Palmers versus Milborn versus Baumgartner. Und aus irgendeinem Grund finden es viele Frauen nicht sooo ganz super, wenn sie aufgrund ihres Aussehens bewertet werden. Außer sie arbeiten bei Palmers. Da liegen die gerne mal halbnackt im Dreck rum. Warum? Weil es laut Firmenphilosophie um die "Kunst, eine Frau zu sein" geht. Eh kloa. Biologie: nicht genügend. Setzen.

Aber in dem Fall der Studie geht es ja um etwas anderes. Hier schreit die Sehnsucht der Bevölkerung nach gemütlicher Leibesfülle. Warum also nicht mal eine starke Frau? Eine, die ordentlich aufräumt. In den meisten Haushalten in Österreich räumen ja sowieso Frauen auf - womit kaum ein Mann Probleme hat - , warum also nicht auch an der Staatsspitze?

Hand aufs Herz: Die Männer können das Aufräumen doch gar nicht. Haben überhaupt keine Übung. Mein Freund Günther etwa, der sagt, seine Putzfrau bringt locker über 100 Kilo auf die Waage, hat tendenziell Angst vor ihr, aber aufräumen, sagt der Günther, kann die viel besser als er. Das klingt doch vielversprechend. Und wenn sie schon dabei ist, könnte sie neben der Staatsspitze auch gleich den Hauptverband der Sozialversicherungen und das Burgtheater übernehmen. Da herrscht ja auch gerade personelle Vakanz. Und wem das nicht passt, der kann ja in die Türkei gehen. Oder nach Russland. Oder Weißrussland. Da haben die so starke Männer, dass sie die gar nicht mehr loswerden wollen. Zumindest dürfen sie das nicht wollen. Und beim Günther soll inzwischen der Felix Baumgartner putzen. Nur in Unterhosen. Der ist ja so schön dünn.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-21 18:15:04
Letzte nderung am 2017-05-03 12:06:05



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